Großbritannien
Deutsche Versicherer kaufen Londoner Olympia

Der Brexit schreckt deutsche Immobilieninvestoren nicht ab: Für für 330 Millionen Euro sichern sie sich das „Olympia London Exhibition Centre“. Medienberichten zufolge war auch die chinesische HNA Group interessiert.
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DüsseldorfDas Londoner Olympia hat schon viel gesehen: Konzerte der Rock-Röhre Rod Stewart, in den jüngeren Jahren diverse Messen, bei denen es mal um Ferienhäuser und mal um Hochzeiten ging. Nun hat das Veranstaltungs- und Messe-Zentrum neue Eigentümer. Ein Konsortium deutscher und britischer Großinvestoren kauft die Liegenschaft im Stadtteil Kensington für 296 Millionen Pfund, umgerechnet rund 330 Millionen Euro.

Die Furcht, der Brexit könnte die britische Wirtschaft und damit auch den Londoner Immobilienmarkt nachhaltig schwächen, schreckt die Investoren dabei offensichtlich nicht. Unter ihnen sind konservative, langfristig orientierte Investoren mit prominenten Namen: So steuert die Bayerische Versorgungskammer den größten Anteil des Finanzierungsvolumens bei. In Deutschland sind die Münchener einer der aktivsten Immobilieninvestoren. Die Organisation nimmt jährlich rund vier Milliarden Euro an Beiträgen ein und führt die Geschäfte für zwölf rechtlich selbständige Altersvorsorgeeinrichtungen. Die Versorgungskammer verwaltet insgesamt ein Kapital von rund 80 Milliarden Euro.

Nach Beitragseinnahmen noch größer ist ein weiteres deutsches Konsortiumsmitglied – die Bayerische Versicherungskammer, die als größter öffentlicher Versicherer im vergangenen Jahr 7,8 Milliarden Euro auf sich vereinte.

Dritter Deutscher im Bunde ist ein Fonds der Deutsche Finance Group. Der international agierende Investmentmanager ist spezialisiert auf institutionelle Anleger und einer der größten Immobilienvermögensverwalter Deutschlands.

Britischer Co-Investor schließlich ist Yoo Capital, der auch als Asset Manager fungiert. Hinter der Londoner Gesellschaft steckt John Hitchcox, ein Immobilieninvestor, der vor allem, aber nicht nur in der britischen Hauptstadt aktiv ist. So war er einer der ersten, der in Berlin investierte: Unter der gemeinsam mit dem Star-Designer Philippe Starck entwickelten Marke „Yoo“ entstanden gut 80 Luxuswohnungen im Bezirk Mitte, gleich neben der Spielstätte des Berliner Ensembles.

Auch wenn die genauen Pläne für die insgesamt 14 Hektar große Liegenschaft noch nicht verraten wurden, so steht doch fest, dass sie unter der Regie von Deutsche Finance International (DFI) und Asset-Manager Yoo deutlich aufgewertet werden soll. Geplant ist unter anderem eine Erweiterung der Einzelhandelsflächen, Restaurants und Hotelkapazitäten. Dies ist eine durchaus übliche Strategie von Immobilienanlegern, um den Wert ihres Investments nachhaltig zu steigern.

Presseberichten zufolge war auch die chinesische HNA Group, die sich kürzlich an der Deutschen Bank beteiligt hat, an dem Olympia-Komplex interessiert. Die Chinesen sollen der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ zufolge mehr als 300 Millionen Pfund geboten haben.

Es ist nicht der erste Deal deutscher Käufer in diesem Jahr: Bereits im Februar hatte Westinvest, eine Fondsgesellschaft der Sparkassentochter Deka Immobilien, für 435 Millionen Pfund das neue Headquarter von Facebook erworben.

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