Hochverschuldeter Konzern
IVG-Aktionäre müssen fast mit Totalverlust rechnen

Der Immobilienkonzern will bis Mitte August eine Lösung mit Aktionären, Banken und Gläubigern finden. Für die IVG-Anleger könnte dies bittere Einschnitte bedeuten. Bei JP Morgan hat man die Hoffnung schon aufgegeben.
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FrankfurtDer hoch verschuldete Bonner Immobilienkonzern IVG will bis Mitte August einen Ausweg aus seiner existenzbedrohenden Lage finden. Der Vorstand arbeite an einem Paket von Maßnahmen, das die IVG wieder handlungsfähig machen solle, teilte das Unternehmen im Zwischenbericht am Mittwoch mit. Dabei solle mit Aktionären, Banken und Anleihegläubigern eine gemeinschaftliche Lösung gefunden werden. Darüber wolle die IVG in den nächsten Wochen mit allen Parteien sprechen. Ein Konzept soll bis zu der auf den 14. August verschobenen Hauptversammlung vorliegen.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte aus Finanzkreisen erfahren, dass die IVG dabei vor allem von den Aktionären und Hybridkapital-Gläubigern harte Einschnitte verlangen will. Sie könnten nach der Umschuldung jeweils mit nur einem einstelligen Aktienanteil an der IVG abgespeist werden. Die vorrangig besicherten Kreditgeber – inzwischen zum Großteil Hedgefonds – sollen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und dafür im Gegenzug eine klare Mehrheit der IVG-Aktien erhalten. Insgesamt könne die Verschuldung damit um mehr als eine Milliarde Euro gesenkt werden. Die Pläne sind unter den Kapitalgebern jedoch stark umstritten.

Auch die Analysten der Investmentbank J.P. Morgan haben die Hoffnung aufgegeben, dass den Aktionären selbst im besten Fall etwas von ihrem Einsatz bleiben wird. Sie senkten das Kursziel für das im SDax notierte IVG-Papier auf einen Cent. „Nichts übrig für die normalen Aktionäre“, titelte Analyst Tim Leckie. „Zu hohe Verschuldung, zu viel Expansion und eine belastende Kostenstruktur.“ Ein IVG-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern. Börsianer sind kaum optimistischer: Die Aktie brach am Mittwoch um weitere 28 Prozent auf 40 Cent ein.

Die IVG war Ende März mit 4,2 Milliarden Euro verschuldet, 3,8 Milliarden davon entfallen auf Bankverbindlichkeiten. Eine der beiden erstrangig besicherten Anleihen im Volumen von 1,33 Milliarden Euro ist von den ursprünglichen Bank-Gläubigern zum großen Teil mit Abschlägen von bis zu 20 Prozent an Hedgefonds verkauft worden, wie Insider sagten. Hedgefonds sind oft darauf erpicht, Schulden in Aktien zu tauschen und so zum Eigentümer einer Gesellschaft zu werden.

Die Verschuldungsquote (LTV) der IVG ist mit 72 Prozent nach eigener Einschätzung viel zu hoch. In diesem Jahr müssten nach Firmenangaben Bankschulden von 734 Millionen, 2014 weitere 1,87 Milliarden Euro refinanziert werden. Der Konzern hatte sich in der Finanzkrise mit teuren Projektentwicklungen verhoben – etwa dem Geschäftskomplex „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen –, die mit Schulden finanziert wurden und die Erwartungen nie erfüllten. Als die Objekte drastisch an Wert verloren, wurde es eng.

Auch im ersten Quartal schrieb die IVG tiefrote Zahlen. Der Verlust von 45,1 (viertes Quartal: minus 75,7) Millionen Euro war vor allem auf Abschreibungen auf Immobilien zurückzuführen, weil sich diese als weniger werthaltig entpuppten als gedacht. So musste die IVG dem Versicherungskonzern Allianz massive Mietzugeständnisse für einen 51.000 Quadratmeter großen Bürokomplex am Frankfurter Mainufer machen. Die Allianz hatte mit Wegzug gedroht, verlängerte nach den Zugeständnissen aber um 16-1/2 Jahre. Allein das habe zu einer Wertberichtigung von 21,3 Millionen Euro geführt, erklärte die IVG. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel wegen der Wertverluste mit 20,2 (plus 16,2) Millionen Euro ebenfalls negativ aus. 12,8 Prozent der Flächen bei der IVG stehen leer. Auch „The Squaire“ ist zu schlecht vermietet, um weiterverkauft werden zu können.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Hochverschuldeter Konzern: IVG-Aktionäre müssen fast mit Totalverlust rechnen"

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  • Das war doch schon vor über nem Jahr abzusehen. Selbst schuld, wer da noch Aktien gekauft hat.

  • Noch ein Grund mehr die Allianz zu meiden!

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