Immobilien-Crowdfunding
Gefährliche Schwärme

Sieben Prozent Zinsen für 250 Euro Geldanlage. Klingt riskant? Ist es auch, dennoch sammeln Immobilienfinanzierer mit solchen Versprechen im Crowdinvestment Geld ein. Verbraucherschützer warnen.
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BerlinKleine Investitionsbeträge, große Erfolge. So hätten es die Vertreter der Immobilien-Crowdinvestmentbranche gerne. Sie sammeln kleine Beträge bei einer Gruppe von Privatpersonen (Crowd) ein, um mit diesem Geld Finanzierungslücken beim Bau oder Kauf einer Immobilie zwischen Eigenkapital und Bankdarlehen zu schließen.

Sowohl die Mindestanlagesummen als auch das Investitionsvolumen sind gering. Wer möchte, ist ab 250 Euro dabei. Zurzeit wird selten mehr als eine Million Euro pro Projekt eingeworben. Das geht aus einem Report des Finanzierungsberaters Flatow Advisory Partners (FAP) hervor. Fast immer wird das Geld dabei in Projektentwicklungen gesteckt, was riskanter ist, als den Kauf vermieteter Objekte zu finanzieren.

Groß sind hingegen die versprochenen Zinsen: Aktuell werden zwischen fünf und 7,5 Prozent geboten. Groß sind auch die Zuwächse: Die Summe, die bis jetzt in diesem Jahr eingeworben wurde und Stand September noch eingeworben werden soll, beträgt 28,2 Millionen Euro. Der Betrag kann noch höher werden, denn es sind seit September weitere Projekte und an den Markt gekommen und auch noch zusätzliche für dieses Jahr angekündigt.

Verbraucherschützer sind wenig begeistert, aber zumindest froh darüber, dass ohne Prospekt nicht mehr als 2,5 Millionen Euro pro Objekt eingeworben werden dürfen. Denn um diese Prospektpflicht machen die Initiatoren der Schwarmfinanzierungen einen Bogen, was Verbraucherschützern missfällt. „Am liebsten wäre uns eine Prospektpflicht ohne Ausnahmen“, sagt Wolf Brandes der für die Marktwächter den Grauen Kapitalmarkt beobachtet.

Die Marktwächter sind ein Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland. Insofern hat Brandes auch kein Verständnis für Forderungen der Branche, den Freibetrag bis zur Prospektpflicht zu erhöhen. iFunded-Chef Stephan hatte sich jüngst in der Immobilien-Zeitung beschwert: „Das richtige Geld wird mit großen Volumina und nicht mit Projekten bis 2,5 Millionen Euro gemacht.“

Doch noch gilt das am 10. Juli 2015 in Kraft getretene Kleinanlegerschutzgesetz. Um die Prospektpflicht zu umgehen, muss nicht nur das einzuwerbende Volumen unter 2,5 Millionen Euro bleiben, sondern die Anlage pro Person auf 10.000 Euro pro Projekt begrenzt sein. Und Verbraucherschützer Brandes ist ganz froh, dass das wohl noch eine Weile so bleiben wird, weil die Bundesregierung vor den Wahlen im nächsten Jahr das Kleinanlegerschutzgesetz wohl kaum noch einmal anfassen wird.

Kommentare zu " Immobilien-Crowdfunding: Gefährliche Schwärme"

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  • Da zeigt sich wieder, dass in der größten (Zins)-Not der Verstand über die Gier siegen sollte. Diejenigen, die die Leute abzocken wollen, finden immer eine Nische. Das kann man noch wunderbar nachlesen unter: http://www.transatlantic-journal.com/2016/10/19/schneeballsystem-bei-crowdfunding/
    Drum prüfe genau, wer sein Geld anlegen will.

  • Ich fasse mich kurz: Hirn ist durch nichts zu ersetzen, aber auch durch gar nichts !

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