Immobilienfonds
Analysehaus rudert zurück

Die Ratingagentur Scope gibt Anlegern nicht länger konkrete Tipps für offene Immobilienfonds. Damit reagiert Scope auf ihre marktbewegenden Verkaufsempfehlungen für zwei Immobilienfonds der deutschen Gesellschaft Kanam im Januar. Anleger hatte daraufhin massiv Mittel abgezogen und die Kanam-Gruppe zur vorübergehenden Schließung der Fonds veranlasst.

DÜSSELDORF. Die Scope Analysis open ended funds GmbH, eine Ratingagentur für offene Immobilienfonds, spricht ab sofort keine Empfehlungen mehr aus, ob Investoren Fondsanteile kaufen, halten oder verkaufen sollen. „Scope OEF wird sich künftig auf das Rating und die Risikoklassifizierung der offenen Immobilienfonds konzentrieren“, gab die Gesellschaft bekannt.

Konkrete Handlungsempfehlungen seien für die eigenen professionellen Lizenzpartner nicht erforderlich, erklärte Scope. Branchenvertreter begrüßten diesen mit der Veröffentlichung der jüngsten Ratingergebnisse (s. „Rating von Immobilienfonds“) bekannt gegebenen Schritt. Die Agentur war wegen der Folgen ihrer Verkaufsempfehlung für die Kanam-Fonds in die Kritik geraten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) forderte Scope anschließend auf, ihr die Daten, die zu den Verkaufsempfehlungen geführt hatten, offen zu legen – was Scope auch tat.

Kanam-Sprecher Michael Birnbaum nannte die neue Scope-Linie nun einen „richtigen Schritt“ und sagte weiter: „Es hat sich gezeigt, dass Verkaufsempfehlungen sehr leicht missverstanden werden können.“ Auch der Branchenverband BVI begrüßte die Entscheidung. „Nach unserem Erachten sollten Handlungsempfehlungen nicht Bestandteil eines Ratings sein“, sagte BVI-Sprecher Andreas Fink – eine Auffassung, die auch Scope-Wettbewerber Feri vertritt.

  Scope-Rating: Offene Immobilienfonds

Scope-Konkurrent und „Fondstelegramm“-Herausgeber Stefan Loipfinger vermutet, dass Scope auf Druck der BaFin auf Anlageempfehlungen verzichtet. „Die BaFin hat dem Anleger damit einen Bärendienst erwiesen“, sagte er dem Handelsblatt. Scope-OEF-Geschäftsführerin Alexandra Merz wies Loipfingers Vermutung aber zurück: „Die BaFin würde uns auch weiter erlauben, Handlungsempfehlungen zu veröffentlichen.“ Durch Verkaufsempfehlungen würden jedoch unter Umständen Mittelabflüsse zusätzlich angetrieben. Solche Situationen gelte es zu vermeiden, sagte Merz. Rating-Änderungen, etwa wegen knapp gewordener liquider Mittel, seien jederzeit möglich. Die Fonds würden zurzeit wöchentlich überprüft.

Der als Kritiker der Branche bekannte Loipfinger ist nunmehr der einzige unter den Fondsanalysten und Ratingagenturen, der Anlegern klar sagt, ob sie Anteile eines Fonds kaufen, halten oder verkaufen sollen – eine Rolle, in der er sich nach eigenem Bekunden selbst nicht wohl fühlt. Ein solches Monopol verhindere die Weiterentwicklung einer Analyse- und Ratingkultur für offene Immobilienfonds. Er will weiter Anlageempfehlungen abgeben. „Mit dem Rating kann kein Privatanleger etwas anfangen“, sagte Loipfinger.

 Management-Rating Kaptialgesellschaften

Scope und Loipfinger haben gemeinsam, dass sie die Fonds unaufgefordert bewerten. Ihre Konkurrenten Feri, RCP/DID und Fitch werden dagegen lediglich im Auftrag der Fondsgesellschaften tätig, wie dies auch die auf Anleihe-Ratings und Bonitätsbewertungen spezialisierten und bekannten Ratingagenturen Standard & Poors und Moody’s tun. „Das ist besser als nichts. Da werden aber niemals wirklich für die Fonds negative Ergebnisse herauskommen“, kritisiert Loipfinger.

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