Immobiliengeschäft
Investoren mischen stark bei Wohnungsverkäufen mit

Besonders bei großen Wohnungsverkäufen sind Finanzinvestoren gut dabei. Auswirkungen auf die Miethöhe habe das aber nicht. Die Linken sieht darin dennoch einen Widerspruch zu nachhaltiger Wohnungswirtschaft.
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BerlinBei Verkäufen großer Wohnungsbestände in Deutschland sind Finanzinvestoren stark im Geschäft. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag. Demnach kauften internationale Finanzinvestoren im ersten Halbjahr 2012 rund 45.000 Wohnungen in Deutschland, was einem Anteil von 37 Prozent entspreche. Erheblich höher war der Anteil der Finanzinvestoren im selben Zeitraum allerdings mit 61 Prozent oder 73.000 Wohneinheiten an den Verkäufen großer Wohnungsbestände.

Insgesamt wurden demnach im ersten Halbjahr vergangenen Jahres rund 120.000 Wohneinheiten in großen Transaktionen (über 800 Wohnungen) gehandelt. Räumlicher Schwerpunkt waren die Bundesländer Berlin mit einem Anteil von 32 Prozent an den verkauften Wohnungen sowie Baden-Württemberg mit einem Anteil von 18 Prozent. Dabei ging es um insgesamt zwölf Wohnungstransaktionen, von denen nur zwei Erstverkäufe und die übrigen Wiederverkäufe an oder unter Investoren waren. Die durchschnittliche Haltedauer der wiederverkauften Wohnungen lag den Angaben zufolge bei 58 Monaten.

Systematische Auswirkungen auf die Miethöhe lassen sich laut Bundesregierung durch die Verkäufe nicht erkennen, vielmehr hänge die Entwicklung vom jeweiligen Marktumfeld ab. Soweit zuvor Mieten unterhalb der örtlichen Vergleichsmieten gezahlt worden seien, seien private Käufer "verständlicherweise" bestrebt, Mieterhöhungen durchzusetzen. Die meisten Verkäufe erfolgten demnach aber auf "entspannten Märkten" mit geringen Spielräumen für Erhöhungen. Auch seien Fälle bekannt, in denen sogar zur Vermeidung von Leerstand Mieten durch Investoren gesenkt worden seien.

Die Linke hatte ihre Anfrage unter anderem mit der Befürchtung begründet, dass "viele private Finanzinvestoren im Widerspruch zu einer demokratischen, nachhaltigen und an den Interessen der Mieterinnen und Mieter ausgerichteten Wohnungswirtschaft agieren". Dagegen böten bei Verkäufen häufig vereinbarte Sozialchartas meistens "den Mietern nur befristeten Schutz".

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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