Immobilienkrise
Krise belastet auch Spaniens Büromarkt

Die Immobilienkrise in Spanien breitet sich aus. Nicht nur der Wohnungsmarkt ist betroffen, mittlerweile trifft das Zusammenspiel aus rezessionsbedingt sinkender Nachfrage und steigendem Angebot auch den Büromarkt. Experten erwarten steigende Leerstandsraten.

MADRID. Auf dem Wohnungsmarkt lagen die Preise im Januar gegenüber dem Vorjahr laut dem Immobilienbewerter Tinsa um zehn Prozent niedriger, im Gesamtjahr 2009 könnte sie sogar um 20 Prozent sinken.

Das ist besonders auf dem Kaufmarkt zu spüren. Die Zahl der Transaktionen ging stark zurück, das Investitionsvolumen sank 2008 um 61 Prozent in Barcelona und gar 74 Prozent in Madrid. Investoren hatten verstärkten Verhandlungsspielraum, entsprechend stiegen die Renditen um 14 Prozent auf bis zu 6,6 Prozent. "Der Renditeabstand zu den wichtigsten europäischen Büromärkten verringert sich", stellt Immobilienberater Aguirre Newman in einem Bericht fest.

Auf dem Mietmarkt waren sinkende Mieten und eine steigende Leerstandsrate zu beobachten, allerdings mit einer moderaten Dynamik. In Madrid kam letztes Jahr knapp 340 000 Quadratmeter Büroraum auf den Markt und erhöhte die Gesamtfläche auf 11,5 Mio. Quadratmeter. Die Hälfte der neuen Bürofläche ist vermietet. Die Leerstandsquote liegt bei 7,1 Prozent.

In Barcelona vergrößerte sich die Bürofläche 2008 um 350 000 auf 5,3 Mio. Quadratmeter, die Leerstandsrate stieg auf 7,7 Prozent, der höchste Wert seit 1996. Die Mietpreise gingen in beiden Städten leicht zurück.

Auf dem Büromarkt waren während der Wirtschaftskrise 2001 bis 2003 die Preise gesunken, entsprechend hatte sich auch das Angebot angepasst. "Die Tatsache dass eine Reihe von Projekten damals nicht gebaut wurden, ist in gewisser Hinsicht die Erklärung dafür, dass die Leerstandsquote in Madrid und Barcelona jetzt unter acht Prozent liegt - im Gegensatz etwa zu London und Frankfurt, wo die Quote 9,5 Prozent und 14 Prozent beträgt", so Aguirre Newman.

Doch der Graben zwischen Angebot und Nachfrage dürfte sich vergrößern. 2009 werden in Madrid etwa 425 000 Quadratmeter Büroraum neu auf den Markt kommen, 90 Prozent davon sind noch nicht vermietet. In Barcelona schätzt Aguirre Newman den Zuwachs auf 309 000 Quadratmeter. Da sich die Rezession allen Schätzungen zufolge noch verschärfen wird - die EU-Kommission rechnet mit einem Wirtschaftswachstum von minus zwei Prozent für 2009 - und damit auch die Nachfrage nach Büroraum zurückgehen dürfte, ist in beiden Städten mit einer deutlich steigenden Leerstandsrate und einem Rückgang der Mieten von durchschnittlich etwa zehn Prozent zu rechnen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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