Immobilienmakler
Die Geldmacher

Jeder darf diesen Beruf ausüben, ohne besonders qualifiziert zu sein: Immobilienmakler. Und während die Preise am Wohnungsmarkt steigen, kassieren die Makler kräftig ab. Die Kritik an der undurchsichtigen Branche wächst.
  • 59

MünchenDie Warteliste des Studentenwohnheims in Fulda ist lang. Auf 6.800 Studierende kommen 215 Plätze in den zwei öffentlichen Wohnheimen. Immer mehr Studienanfänger müssen daher auf den privaten Wohnungsmarkt ausweichen. „Die Suche dauert länger als noch vor einigen Jahren“, sagt Antje Mohr von der Pressestelle der Hochschule Fulda. Die Preise seien durch die größere Nachfrage deutlich gestiegen. „Viele Wohnungen und Zimmer sind nur noch über Makler zu bekommen und das ist nicht für alle Studierenden bezahlbar.“

Gegen eine Provision von bis zwei Nettokaltmieten plus Mehrwertsteuer bieten Makler die Zimmer an. Nicht nur für Studenten ist dies oft zu viel. Vor allem können die Wohnungssuchenden oft nicht verstehen, weshalb sie bis zu zwei Nettokaltmieten für die Vermittlung einer Wohnung zahlen sollen, wenn die Dienstleistung eines Maklers für sie lediglich in einer Massenbesichtigung einer Wohnung besteht.

Beim Wettbewerb um eine Unterkunft sehen sich die Bewerber oft gezwungen, gegenüber fremden Menschen persönliche Angaben über Einkommens- und persönliche Verhältnisse zu machen. Es besteht nicht der Eindruck, für einen hohen Geldbetrag eine adäquate Dienstleistung zu bekommen. Man fühlt sich nicht als König Kunde, sondern als Bittsteller.

Kein Wunder: Auch wenn er seine Courtage beim Abschluss vom Mieter bekommt, so handelt der Makler in der Regel im Auftrag des Vermieters. Besonders in den Zentrumslagen der deutschen Großstädten, wo die Mieten und damit die Maklerprovision besonders stark gestiegen sind, regt sich daher Widerstand. Von den Grünen im Berliner Senat wird kritisiert, dass viele Wohnungen nur über Makler angeboten werden, was für die Interessenten oft unzumutbare hohe Courtagen mit sich bringe. Den mit den Mieten gestiegenen Maklerprovisionen stünde kein höherer Arbeitsaufwand für die Makler gegenüber. Im Gegenteil: Wohnungen seien bei hoher Nachfrage leichter an die Frau oder an den Mann zu bekommen.

Nun haben die Bundesländer Hamburg und Nordrhein-Westfalen eine Gesetzesinititative im Bundesrat angekündigt: Die bisherige Bezahlung der Makler, die einkommensschwache Haushalte benachteilige,  soll darin geändert werden,  dass derjenige den Makler zahlt, der ihn beauftragt hat. „Überall in der Wirtschaft zahlt der Besteller einer Leistung, bei den Maklercourtagen muss das künftig auch so laufen“, sagt Anjes Tjarks, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft und Initiator der Reform der Maklerregelung. Für dieses Bestellerprinzip haben bereits andere Bundesländer Unterstützung zugesagt. „Im Februar soll der Vorschlag dem Hamburger Senat und danach dem Bundesrat zur Abstimmung vorgelegt werden“, sagt Kerstin Graupner, Sprecherin bei der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung.

Kommentare zu " Immobilienmakler: Die Geldmacher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sie möchten wissen, wie viel Ihre Immobilie wert ist?
    Hier sind weitere nützliche Tipps:

    http://weiter-lesen.net/1062/das-zuverlaessige-wertgutachten-fuer-ihre-immobilie

  • Ich sehe den größten Abkassierer bei den Gemeinden!
    Mit 5% Grunderwerbsteuer zahlt der Käufer an die Stadt Dortmund z.B. fast genauso viel wie an den Makler und Notar zusammen!

  • und wer kassiert noch ordentlich ab, bei Immobiliengeschäften ? Unsere Notare !!! Hier sollte einmal was geändert werden !!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%