Immobilienmarkt Europa
Deutschland schlägt UK

Das Brexit-Votum zeigt Wirkung: Erstmals steckten Investoren mehr Geld in deutsche als in britische Gebäude. Asiaten traten in London kürzer und entdeckten ihre Liebe zu Immobilien Deutschland. Ob das so bleibt?
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CannesFür Immobilieninvestoren kommt in Europa zuerst London und dann lange, lange nichts. Gemessen am Investitionsvolumen ist das auch so. Und deshalb lagen die Umsätze auf dem britischen Immobilieninvestmentmarkt auch immer höher als die auf dem Deutschen. Nicht nur das: Der Wert der allein in London gehandelten Gewerbegebäude lag viele Jahre höher als die Volumina der Besitzwechsel in den sieben deutschen Metropolen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart zusammen.

2016 war dies zum ersten Mal anders. Einer zur Immobilienmesse Mipim von der Wirtschaftsberatung PwC veröffentlichten Studie zufolge betrug das gesamte Immobilienhandelsvolumen in Deutschland im vergangenen Jahr 60,2 Milliarden Euro, in Großbritannien 59,9 Milliarden Euro. Insbesondere im zweiten Halbjahr übertrumpften die Investments in Deutschland die im Vereinigten Königreich. 34,2 Milliarden zu 26,8 Milliarden Euro bilanziert der Immobiliendienstleister BNP Paribas Real Estate den Gewerbeimmobilienumsatz der beiden Länder. „Man sieht die Auswirkungen des Brexit“, ist Reinhard Mattern, Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate Investors, überzeugt. Die Gesellschaft gehört zu den großen Anbieter von Immobilienspezialfonds in Deutschland.

Vor allem asiatische Investoren suchen sich nach seiner Ansicht häufiger andere Investitionsziele. Eine Einschätzung, die Mario Caroli, persönlich haftender Gesellschafter der immobilienaffinen Privatbank Ellwanger & Geiger, teilt. „Großbritannien und vor allem London, der bisherige Lieblingstummelplatz für asiatische Investoren in Europa, werden an Bedeutung verlieren“, sagte Caroli im Vorfeld der Mipiem. Dies werde nicht schlagartig geschehen, wie es nach dem Brexit-Votum erwartet worden sei. Aber Caroli erinnert sich: „Die ersten Investoren haben ihren Abschied aus London bereits angekündigt, weitere werden folgen.“

BNP Paribas unterstützt die These mit Zahlen. Danach waren die asiatischen Investitionen in Großbritannien zwar 2015 fünf Mal so hoch wie 2010, gehen aber seitdem zurück. Dagegen stiegen die Immobilienkäufe in Deutschland seit 2010 bis 2016 auf das Vierfache. „Die asiatischen Investoren haben verstanden, dass Deutschland ein polyzentrisches Land ist“, beobachtet Mattern.

In Großbritannien und Frankreich haben sie es leichter. Die Immobilienmärkte dieser Länder werden von London und Paris dominiert. Über diese Märkte tasten sich Asiaten bisher nach Europa vor, auch in dieser Reihenfolge. Ein Muster, das auch heute noch gilt.

Kommentare zu " Immobilienmarkt Europa: Deutschland schlägt UK"

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  • Um so höher die Immobilienpreise in Deutschland steigen um so tiefer wird der Fall. Die Immobilienpreise für Eigentum und Miete können heute schon nicht mehr von den Bürgern in den Ballungsräumen und Metropolen in Deutschland gezahlt werden....in England entspannt sich, durch die geringer werdende Immobiliennachfrage, der Immobilienpreis.
    Brext...alles richtig gemacht, ihr Engländer!

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