Immobilienmarkt München
München will nicht nur Wohnort für Gutbetuchte sein

In München sind die Berge näher als in den anderen deutschen Großstädten, die Weißwürste schmackhafter und die Mieten höher. Fast nirgendwo anders in Deutschland sind Mieten und Kaufpreise für Immobilien so hoch wie in der Bayernmetropole. Die Stadt versucht gegenzusteuern.

MÜNCHEN. Erst kürzlich bestätigte die Studie eines Berliner Forschungsinstituts im Auftrags der Landesbausparkassen (LBS): Wer sich in München ein Einfamilienhaus leisten will, dessen Einkommen muss fast doppelt so hoch sein wie das eines dortigen Durchschnittsverdieners. In einigen Landkreisen von Brandenburg und Thüringen reicht dagegen schon die Hälfte oder gar ein Drittel des Durchschnittsverdienstes.

Trotzdem können durchaus auch Normalverdiener in München gute Angebote finden. Zu verdanken haben sie dies der Verordnung zur "Sozial gerechten Bodennutzung", die der Münchener Stadtrat bereits 1994 beschloss. Sie bestimmt, dass 30 Prozent aller entstehenden Wohnungen im Stadtgebiet im sozial geförderten Bereich liegen müssen, erklärt der Leitende Baudirektor Walter Buser: "Die Stadt vergibt also erst dann neue Baugenehmigungen, wenn der Antragsteller die entsprechenden öffentlichen Verträge unterschrieben hat."

Im Gegenzug kann der Investor spezielle Kredite in Anspruch nehmen und verpflichtet sich dafür, einen Teil seiner Wohnungen an geringverdienende Bewerber von der städtischen Warteliste zu vergeben. Die Höchst-Kaltmiete liegt dann zwischen 5,25 und neun Euro pro Quadratmeter (qm). Inzwischen sind die meisten Häuslebauer institutionelle Anleger und nicht mehr Eigennutzer, die sich selbst eine Wohnung leisten, sagen Experten.

Professionelle Investoren sehen die Stadt weiter auf dem Wachstumspfad. Josef Kastenberger, Geschäftsführer der JK Wohnbau, hält deshalb den jetzigen Zeitpunkt "für eine Immobilieninvestition gerade am Münchener Markt für so attraktiv wie selten zuvor" - einerseits wegen des niedrigen Zinsniveaus bei der Finanzierung, andererseits wegen des zu erwartenden Mietpreisanstiegs.

Schon jetzt wohnen die Münchener allerdings deutschlandweit am teuersten, wie der aktuelle Mietpreisspiegel des Immobilienverband Deutschland (IVD) zeigt. Für eine Neubauwohnung im Erstbezug ermittelte der IVD eine durchschnittliche Nettokaltmiete von 10,70 Euro pro qm und Monat. In der Innenstadt sind Preise von 13 oder 14 Euro keine Seltenheit.

Und das Angebot bleibt knapp, meint Philipp Reiners, Geschäftsführer des Landesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW). Erst vor kurzem warnte auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann vor einem Engpass bei der Wohnungsversorgung: Im vergangenen Jahr wurden in ganz Bayern nur rund 44 000 neue Wohnungen fertiggestellt, etwa ein Viertel weniger als im Vorjahr. Deshalb seien die bisher eingeplanten 200 Mill. Euro zur Wohnraumförderung nicht ausreichend, sagte Herrmann.

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