Immobilientrust-Gründung
Commerzbank weicht nach Paris aus

Die Zeit zur gesetzlichen Einführung von Immobilienaktiengesellschaften in Deutschland droht knapp zu werden. Die Commerz Grundbesitz Gruppe (CGG) nutzt das französische Gesetz zur Real Estate Investment Trusts (Reits), um Immobilien als Unternehmen an die Börse zu bringen.

FRANKFURT / BERLIN / DÜSSELDORF. „Das ist auch ein Signal an die Politik. Die Finanzbranche ist international, und wenn wir in Deutschland keine Reits einführen, dann nutzt man eben die Gesetzgebung in anderen Ländern“, hieß es in Finanzkreisen. Das gehe dann aber völlig am deutschen Fiskus und am Finanzplatz Deutschland vorbei. Ein CGG–Sprecher wollte sich zu den Details nicht äußern.

Reits sind steuerlich begünstigte Aktiengesellschaften, die Immobilien verwalten und entwickeln. In den USA und Frankreich bereits mit Erfolg eingeführt, diskutiert die große Koalition in Berlin schon seit langem über ihre Einführung in Deutschland. Vor allem von Seiten der SPD wird befürchtet, Reits könnten neue Steuerschlupflöcher werden. Die von Banken geförderte Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) erwartet dagegen Steuermehreinnahmen von jährlich zehn Mrd. Euro. Außerdem prognostiziert sie das Entstehen eines neues Finanzmarktsegments im Volumen von 100 Mrd. Euro in Deutschland.

Was genau sind Reits? Lesen Sie es im Handelsblatt-Wirtschaftswiki nach - und wenn Ihnen die Erklärung nicht ausreicht, ergänzen und verbessern Sie sie:
» Reit im Wirtschaftswiki.

CGG hat nach Aussagen aus den Kreisen drei im Großraum Paris liegende Immobilien aus dem Fonds Hausinvest Europa in ein Reit namens CeGe Real gepackt und will diese an der Börse Paris notieren lassen. Angestrebt ist demnach eine Marktkapitalisierung von 850 Mill. Euro, wovon ein Drittel an Investoren verkauft werden soll. Die Zeichnungsfrist endet am 28. März, erster Handelstag ist Finanzkreisen zufolge der 29. März. Am 5. April will CGG die Transaktion in Deutschland öffentlich vorstellen.

Experten rechnen nun damit, das demnächst auch deutsche Immobilien als französische Reits in Paris in die Börse gebracht werden, sollte es kein deutsches Reit-Gesetz geben. „Was CGG da macht, ist nur ein erster Schritt“, sagte Kai Klose, Immobilienexperte beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Mit einem Listing deutscher Immobilien im Ausland würde der hiesige Finanzplatz leer ausgehen. In den vergangenen Jahren haben große ausländische Investoren für Milliarden-Summen Immobilienportfolios hier zu Lande zusammengekauft. Ziel war es, diese stark fremdkapitalfinanzierten Unternehmen als Reits an die Börse zu bringen. Einige deutsche Immobilien notieren bereits als Teile der Immobilienfirma Eurocastle in den Niederlanden an der Börse.

In der Fondsbranche wird vermutet, dass die Reit-Emission auch der Liquiditätsbeschaffung für den Fonds Hausinvest Europa dient. Diese Einschätzung teilt etwa Till Entzian, ein in der Fondsbranche bekannter Rechtsberater. Im Fonds Hausinvest wird der Reit CeGe Real, obwohl börsennotiert, weiterhin als Beteiligungsgesellschaft und nicht als Aktie geführt. Die Bewertung der Immobilien erfolgt wie bei allen anderen Gebäuden durch Sachverständige und nicht durch die Börse. Nach dem Investmentgesetz darf die CeGe Real als Beteiligungsgesellschaft innerhalb eines Fonds nicht mehr als drei Objekte halten, und der Hausinvest muss die Kapital- und Stimmenmehrheit behalten. Die Konsequenz: Es besteht keine Chance, das Risiko durch den Ankauf weiterer Immobilien zu streuen.

Dem Vorwurf, durch die Reit-Emission vor allem die Liquididät des Hausinvests auffüllen wollen, widersprach der CGG-Sprecher: „Der Verkauf der Immobilien wäre einfacher gewesen.“

Die Reit-Diskussion

Wettlauf: Während in den USA und Frankreich Reits bereits seit langem existieren, streitet man in Deutschland und Großbritannien noch. Auf der Insel liegt aber bereits ein Gesetzentwurf zur Einführung Anfang 2007 vor. Experten befürchten, dass deutsche Reits dort notieren werden, wenn Deutschland die Entwicklung verschläft.

Knackpunkt: Reits zahlen als Unternehmen faktisch keine Steuern, müssen aber nahezu alle Gewinne als Dividenden ausschütten. Auf Grund bestimmter Doppelbesteuerungsabkommen können aber Anleger aus bestimmten Ländern ihre Steuerlast auf null drücken. Dagegen wehrt sich vor allem ein Teil der SPD-Fraktion im Bundestag.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%