Immobilienwahnsinn in den Hamptons
Im Wohnzimmer der Superreichen

In den Hamptons, unweit von New York, sind die Immobilienpreise durch die Decke geschossen. Der Nachfrage tut das keinen Abbruch. Während das Einkommen der Unter- und Mittelschicht stagniert, prassen die Superreichen.

New YorkZehn Minuten in East Hampton reichen, um zu verstehen, warum dies der so beliebte Rückzugsort von vielen reichen New Yorkern ist. Der Strand ist weitläufig und feinsandig; der Atlantik spült beeindruckend hohe Wellen an die Küste. Auf der „Hither Lane“ ist ebenso wenig Verkehr wie auf der „Pondview Lane“; ja, es ist tatsächlich ruhig. Während in New York City der Geräuschpegel Tag und Nacht hoch ist, wo der Lärm von Baustellen und U-Bahn-Waggons pausenlos durch die Hochhäuserschluchten echot, hört man in den Hamptons an einigen Punkten höchstens die Vögel zwitschern.

Die Häuser, sofern man sie einsehen kann, sind in einwandfreiem Zustand. Allesamt ähnlich im Stil, aber individuell aufgehübscht. Der Rasen glänzt vor jedem Gebäude saftig grün und ist akkurat getrimmt, genauso wie die Buchsbäume und Hecken. Der Beruf des Gärtners, so viel ist klar, wird in den Hamptons so schnell nicht aussterben. Wer es elitär mag, findet in den Boutiquen an der Hauptstraße teure Badeanzüge, Taschen und Kleider – oder geht zum Golfspielen. Der „Maidstone Club“ hat sein Gelände direkt am Wasser.

Lust auf die Hamptons bekommen? 110 Immobilien bietet das örtliche Büro von Sotheby’s derzeit zum Kauf an. Das billigste Häuschen, ein in die Jahre gekommenes 85-Quadratmeter-Bungalow, knapp neun Kilometer von East Hampton entfernt, kostet 549.000 US-Dollar. Wer in den attraktiven Wohngebieten Eigentum erwerben möchte, sollte mindestens zwei Millionen US-Dollar mitbringen. „Schicke Häuser mit Meerblick gibt es ab drei bis vier Millionen US-Dollar“, sagt Immobilienmaklerin Jane Dillon.

Das teuerste derzeit verfügbare Anwesen kostet rund 30 Mal so viel: für 95 Millionen Dollar ist der Besitzer des Anwesens in der „38 Mathews Road“ in Wainscott bereit, die Schlüssel zu übergeben. Dafür gibt es acht Schlafzimmer, zwölf Bäder, einen eigenen Weinkeller und einen Anleger. „Erste Interessenten haben sich die Villa schon angeschaut“, berichtet Dillon.

Keine Frage: Das östliche Ende von Long Island ist das Wohnzimmer der Superreichen. Der feine Sandstrand, die frische Brise des Atlantiks und eine gute Anbindung nach New York haben die Immobilienpreise in unvorstellbare Höhen getrieben. Nirgendwo in ganz Amerika müssen die Interessenten tiefer für ein Haus in die Tasche greifen: Im Durchschnitt wurden in diesem Jahr rund 5,2 Millionen US- Dollar für eine Luxus-Immobilie bezahlt.

Und damit fünf Millionen mehr, als das Eigenheim in Durchschnitts-Amerika kostet, nämlich 228.000 Dollar. Die Ungleichheit in Amerika kennt nach oben keine Grenzen mehr; während die Preise in den Hamptons weiter steigen, stagniert das Einkommen des Durchschnittsamerikaners.

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Ungleichheit in den USA

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