Max Herbst im Interview
„Christian Wulff ist ein Finanzgenie“

Christian Wulff hat bei seinem Kredit einen fünfstelligen Betrag gespart, verrät Baufinanzierungsexperte Max Herbst im Interview. Was der Kreditdeal die BW-Bank und die Familie Geerkens wahrscheinlich gekostet hat.
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Herr Herbst, die Baufinanzierung unseres Bundespräsidenten ist in die Schlagzeilen geraten. Ist es üblich, sich unter Freunden so hohe Summen zu leihen? 

Eher nicht. Denn Gläubiger gehen beim Geldverleih an private Kreditnehmer ein erhöhtes Ausfallrisiko ein. Sie müssen sich im Notfall um die Rückzahlung kümmern, auch um Ratenstundungen oder der Zwangsversteigerung der Immobilie. 

Dafür haben die Unternehmer Geerkens von Wulff einen ordentlichen Zins erhalten. 

Nein das stimmt nicht. Zu der Zeit, als Wulff das Geld bekam, waren Anlagezinsen von mehr als fünf Prozent für Festgelder oder Sparbriefe – je nach Laufzeit - möglich. Diese Sätze gab es bei sicheren Instituten, die über die deutsche Einlagensicherung abgesichert waren. Geerkens haben ein schlechtes Geschäft gemacht. 

Wie hoch war der Vorteil für Christian Wulff? 

Bei der kolportierten Kreditsumme von rund 520.000 Euro und einer Beleihung von gut hundert Prozent hätte er bei einem günstigen Institut wie der ING-Diba schon bis hundert Prozent Beleihung rund 5,4 Prozent gezahlt. Dann liegt die Ersparnis für ein Jahr bei rund 7.000 Euro. Die Familie Geerkens hat im Gegenzug auf einen ähnlichen Betrag verzichtet und ist ein erhöhtes Risiko eingegangen. 

Wie häufig finanzieren Häuslebauer ihr Objekt bei guten Freunden? 

Zuschüsse von der Familie sind üblich, Kredite in dieser Höhe bei einer vollständigen Beleihung und zu diesem Zins von guten Freunden wahrscheinlich so häufig wie ein Sechser im Lotto. 

Wie beurteilen Sie das Folgedarlehen durch die BW-Bank, einen variablen Kredit? Medien berichten wieder über Top-Konditionen. 

Solche Kredite sind nicht unüblich. Ein Abschluss lohnt, wenn die Kunden mit sinkenden oder gleichbleibenden Zinsen rechnen oder öfters größere Beträge außerplanmäßig zurückzahlen wollen. Das Risiko hielt sich in Grenzen, angesichts der Aussicht auf eine fortdauernde Wirtschaftskrise hielt sich das Risiko steigender Zinsen in Grenzen.

 

Kommentare zu " Max Herbst im Interview: „Christian Wulff ist ein Finanzgenie“"

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  • Der Vergeich von Herrn Herbst hinkt. Konditionen sind zwar vom ausfallrisiko abhängig, aber das Ausfallrisiko bei Herrn Wullf ist praktisch gleich null.
    Das sit natürlch bei Otto Normalverbraucher anders. Das gleiche gilt für variable Zinsen, wer über Vrmögen oder hohes einkommen verfügt um unerwartete zinserhöhungen zu verkraften, der wird niemals bei niedirgen Zinsen eine langfristige Festschreibung wählen.
    Letztlich stellt sich die Frage, welche Vermögenswerte die Familie wulff sonst noch hat. Nur bei enem singulären Kredit wäre der geringe Aufschag von 03 % ungewöhnlich.

    Der Kredit von Geerkens war dagegen von Geerkens ein gutes Geschäft, zumal es sich ja um eine realtiv kurze Zwischenfinanzierung handelte.
    Geerkens hätte bei keiner Bank für kurzfristige Gelder ähnlioch risikolos einen auch nur annähernd ebenso guten Zins erhalten.
    Diesen zinssatz mit dem Kreditniveau zu vergleichen ist daher der falsche Ansatz. Beide haben deshalb ein Geschäft gemacht.

    H.

  • Herrn Wulffs privates Darlehen geht keinen was an.
    Die Sonderkonditionen bei einer Bank hat er bekommen, weil er prominent war und gute Beziehungen hatte.
    Wer von uns würde das nicht ausnutzen ?
    Daß er das als Bundespräsident getan hat, muß er selbst moralisch verantworten.
    Ich finde es nicht gut....

  • Wir sind ein Land mit lauter Genies und Experten.
    Deshalb, geht in Deutschland auch alles den Bach runter!

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