Nachhaltigkeit
Versicherer wollen mit reinem Gewissen investieren

Versicherer sind konservativ. Sie springen nicht auf jeden neuen Anlagetrend. Darum waren sie auch nicht sofort Feuer und Flamme für Grüne Gebäude. Doch nun orientieren sich ihre Immobilieninvestitionen immer häufiger an Nachhaltigkeitskriterien.
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Dies hat eine Umfrage des Handelsblatts ergeben. "Nachhaltigkeitsaspekte sind als explizites Gesamtentscheidungskriterium im Ankaufsprozess verankert", sagt Manuel Giehr, Chef der Meag und damit verantwortlich für das Immobiliengeschäft der Münchener Rück. Der größte Rückversicherer der Welt und seine Erstversicherungs-Tochter Ergo investierten heute primär in nachhaltige Immobilien, sagt er. Bei der HUK-Coburg, einem der größten Sachversicherer in Deutschland klingt es ähnlich: "Der Nachhaltigkeitscheck beeinflusst in jedem Fall die Kaufentscheidung und führt im negativen Fall zur Ablehnung beziehungsweise zu deutlichen Wertabschlägen", berichtet Erich Josef Häs, für Immobilien-Geschäftsführer der Huk-Coburg Asset Management.

Fachleute zählen als Kriterien für Nachhaltigkeit Energieeffizienz, Einsatz wiederverwertbarer Baustoffe, umweltfreundliche Entsorgung der nicht wiederverwertbaren Materialien, flächensparendes Bauen, Bedacht auf langjährige Nutzungsmöglichkeit und die Beachtung ethischer sowie sozialer Grundsätze beim Bau auf. Die Versicherer haben inzwischen eigene Checklisten entwickelt, an denen sie die Nachhaltigkeit von Gebäuden messen und orientieren sich an verschiednenen Siegeln für grüne Gebäude, wie etwa dem der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen.

Die Münchener Rück hat sich selbst zu grünen Investments verpflichtet, in dem sie die Prinzipien für verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen (UN PRI) unterzeichnete. Martin Schramm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Generali Deutschland Immobilien, hat das große Ganze im Blick: "Als Versicherungsunternehmen sind wir verantwortlich für die Gelder unserer Versicherungsnehmer und gehen davon aus, dass es in ihrem Sinne ist, die Kapitalanlage auch nach umweltfreundlichen, sozialen und ethischen Grundsätzen auszurichten."

Doch hehre Grundsätze werfen keine Rendite ab. Auf die müssen aber gerade die Lebensversicherer zurzeit besonders achten. Anleihen, die den Löwenanteil ihrer Investments ausmachen, bringen nicht genug, um die Auszahlungsansprüche ihrer Kunden nicht bedienen. Sie versuchen nun, mit höheren Immobilienquoten die Gesamtrendite ihrer Kapitalanlagen zu heben. Ob Nutzer bereit sind, für grüne Gebäude mehr Miete als für andere zu zahlen, ist umstritten. Denn nicht in jedem Fall gleichen niedrigere Energiekosten höhere Miete aus. Doch Versicherer verweisen auf Vorteile grüner Gebäude in der Zukunft. Christoph Wildgruber, Nachhaltigkeitschef der Allianz, sagt: "Wir erwarten eine höhere Wertstabilität." Meag-Manager Giehr präzisiert: "Eine höhere Wertstabilität ergibt sich aus einer langfristig höheren Vermietbarkeit, niedrigeren Betriebskosten und besserer Veräußerbarkeit."

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Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin

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  • "Nachhaltig"? Was ist das? Zweifellos ist es einer der Lieblingsbegriffe grüner Gutmenschen. Analysiert man den begriff, so stellt man fest, daß er zunächst einmal völlig inhaltsleer ist - eine reine Worthülse. Aber in der Diskussion der vergangenen Jahre wurde dem begriff durch Millionen von werbenden Meinungsäußerungen eine stark positive bedeutung angedichtet: "nachhaltig" ist gut, und "nicht nachhaltig" - das ist schädlich, böse, verwerflich! Damit ergibt sich jetzt die Möglichkeit, von jeder grünen Kanzel herab nach freier Willkür dem Zuhörer Unverständliches mit erhobenem Zeigefinger als "nachhaltig" zu erklären - oder eben durch die gegenteilige Aussage der unmittelbaren Verdammnis anheimfallen zu lassen. insofern gleicht dieser begriff einem anderen: früher hieß es: "Das ist gottgefällig"! Letztlich geht es bei beiden begriffen um das Gleiche: die Ausschaltung des Verstandes und die Unterwerfung unter die Deutungshoheit der Kanzel.

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