Perlen im Süden
Nürnberg: Ein Hort der Stabilität

In der zweitgrößten Metropole Bayerns sitzen mehr Marktforschungsunternehmen als in jeder anderen deutschen Stadt; jeder dritte Marktforscher arbeitet in Nürnberg. Davon profitiert auch der Büroflächenmarkt. Warum in Nürnberg Investoren vor Überraschungen sicher sind.
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NÜRNBERG. Was spielen Sie am liebsten auf dem Handy? Wohin fahren Sie in Urlaub und warum? Kaufen Sie eher billige oder eher stromsparende Küchengeräte? Wenn Verbrauchern am Telefon solche oder ähnliche Fragen gestellt werden, kommt der Anruf in den meisten Fällen aus Nürnberg. Denn hier, in der zweitgrößten Metropole Bayerns, sitzen mehr Marktforschungsunternehmen als in jeder anderen deutschen Stadt; jeder dritte Marktforscher arbeitet in Nürnberg. Insgesamt stellen Dienstleister, Banken und Versicherungen fast 40 Prozent der Arbeitsplätze in der Stadt; der deutsche Schnitt liegt bei unter 30 Prozent.

Davon profitiert der Nürnberger Büroflächenmarkt. Zwar kämpfen auch Marktforscher und andere Dienstleistungsunternehmen mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Trotzdem erwarten die Immobilienmarkt-Analysten des Vermögensberaters Feri, dass sich der Sektor nicht zuletzt dank effektiver lokaler Wirtschaftsförderung weiter dynamisch entwickeln werde. "Da das Angebot an großen, zusammenhängenden Büroflächen in der Innenstadt knapp ist, sind hier Preissteigerungen zu erwarten", heißt es bei Feri.

Nachziehen dürfte auch der Wohnungsmarkt, erwarten die Experten. Sie rechnen mit Mietsteigerungen sowohl für Alt- wie Neubauwohnungen. Rege nachgefragt seien große Wohnungen in der Innenstadt. Käufer profitieren dabei von der Wertbeständigkeit ihrer Immobilien: Erst kürzlich kürte das Magazin "Wirtschaftswoche" den Nürnberger Wohnimmobilienmarkt zum deutschen Spitzenreiter in Sachen Stabilität: Hier sei das Geld von Wohnungskäufern besonders sicher angelegt. Auch eine Folge beständiger Einwohnerzahlen. Erst kürzlich feierte Nürnberg ein kurioses Jubiläum: Zum dritten Mal in 40 Jahren wurde in der Stadt der 500 000ste Bürger geboren. Auf jeden von ihnen kommen im Schnitt fünf Touristen: 2,3 Millionen Übernachtungen auswärtiger Besucher zählte der Immobilienberater Kemper?s Jones Lang Lasalle im vergangenen Jahr in Nürnberg. Damit steht die Albrecht-Dürer-Stadt auf Platz neun unter den hundert größten deutschen Städten. Denn Touristen lieben die Stadt nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter: Allein der Christkindlesmarkt lockt zwei Millionen Besucher an.

Sie beflügeln auch den Nürnberger Einzelhandel: Die Karolinenstraße ist am Samstag Morgen eine der belebtesten Shoppingmeilen Deutschlands. Deshalb können sich Immobilieninvestoren über steigende Mietpreiseinnahmen in bester Citylage freuen: In den vergangenen zehn Jahren stieg dieser Wert deutschlandweit um etwa vier Prozent, die Nürnberger Ladenmieten legten um mehr als 26 Prozent zu. Auch bei der Wertsteigerung der Einzelhandelsobjekte ist die Stadt mit mehr als 33 Prozent binnen zehn Jahren überdurchschnittlich erfolgreich.

Und auch für die Zukunft ist gesorgt. Zu den wichtigsten Projekten gehören der S-Bahn-Ausbau von bisher 64 auf fast 200 Kilometer Länge, die teilweise Neugestaltung der Nürnberg-Messe für 50 Mio. Euro und der Bau des zweiten Terminals im Güterverkehrszentrum Hafen, zählt Roland Fleck auf, Stadtrat und Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg. Daneben plant die Ohm-Hochschule einen Erweiterungsbau, um 2011 den Ansturm des doppelten Abiturjahrgangs aufnehmen zu können. Für die rund 1 800 zusätzlichen Studenten wird der Freistaat das Zusatzgebäude anmieten. Kostenpunkt: etwa 1,6 Mio. Euro pro Jahr.

Ab 2011 soll außerdem Nürnbergs einziges freies Areal innerhalb der historischen Altstadt bebaut werden - der Augustinerhof. Im vergangenen Jahr wurden die verfallenen Nachkriegsbauten abgerissen. "Auf diesen Moment haben viele Nürnberger seit Jahren gewartet", kommentierten damals die Nürnberger Nachrichten. Nach Plänen des Berliner Architekten Volker Staab sollen am Augustinerhof auf etwa 5 000 Quadratmetern ein Viersterne-Hotel, mehrere Wohnungen, Läden und Büroflächen entstehen.

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