Platzende Kredite
Immobilien könnten neue Krise auslösen

Die Rezession in den USA trifft mit Wucht den Büroimmobilienmarkt der großen Wirtschaftsnation. Die Leerstandsraten steigen, Mieten und Immobilienpreise sinken – und damit auch die Sicherheiten der Banken für die von ihnen vergebenen Darlehen. Experten fürchten, die steigenden Kredit-Ausfallraten könnten eine neue Finanzkrise heraufbeschwören.
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DÜSSELDORF. Um ihre Kosten zu reduzieren, haben US-Unternehmen in den ersten sechs Monaten des Jahres 4,7 Mio. Quadratmeter zuvor genutzter Büroflächen aufgegeben. „Konzerne stoßen angemietete Objekte so schnell ab wie zuletzt in der Krise von 2001“, sagt Ross J. Moore, Chefresearcher und Vizepräsident der Beratungsgesellschaft Colliers International. Die Unternehmen nutzen dabei die meist kurzen Mietvertragslaufzeiten, um jetzt im Konjunktureinbruch ihre Mietlasten signifikant zu reduzieren.

Die Leerstandsquote am größten Büroimmobilienmarkt der Welt schnellte nach Berechnungen von CB Richard Ellis (CBRE) bis Ende Juni auf 15,7 Prozent in die Höhe. Raymond Wong, Chefresearcher Nordamerika bei CBRE, sieht kurzfristig keine Trendwende: „Nachdem das Bruttosozialprodukt zwölf Monate in Folge gefallen ist, besteht zwar die Hoffnung, dass die US-Wirtschaft im dritten Quartal dieses Jahres wieder leicht gewachsen ist.“ Entscheidend für eine Erholung der Büromärkte sei jedoch ein Rückgang der Arbeitslosenquote. „Zur Zeit sieht es jedoch nicht danach aus, dass die Zahl der Beschäftigten wächst“, sagt Wong.

Mit dem Anstieg der Leerstände sind Mieten und Immobilienpreise deutlich gefallen. Dem von Moody's errechneten CPPI-Index zufolge sanken die Marktwerte von Gewerbeimmobilien vom Höhepunkt im Oktober 2007 bis Ende Juli dieses Jahres im Schnitt um 34,8 Prozent. Damit sei das Ende des Abwärtstrends noch nicht erreicht, meint Bill Maher, Nordamerika-Stratege bei Lasalle Investment Management: „Die Preise könnten um weitere zehn bis 20 Prozent fallen.“

Das liegt vor allem daran, dass in den USA während der Boomphase Investoren ihre Immobilienkäufe noch exzessiver mit Krediten finanziert hatten als in Europa. 2006 und 2007 erhielten Käufer Darlehen von bis zu 130 Prozent des Immobilienwerts. So konnten sie ohne einen Cent Eigenkapital nicht nur den Kaufpreis, sondern auch sämtliche Nebenerwerbskosten und etwaige Umbaumaßnahmen finanzieren. Jetzt in der Krise, geben die Investoren einfach die Immobilien an die Banken ab. Diese sind dadurch gezwungen, die Objekte zwangsweise zu verwerten oder in die eigenen Bücher zu nehmen.

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