Recht
Grundbuch und Notar sind nicht überall üblich

Deutsches Immobilienrecht ist für Laien unübersichtlich? In vielen anderen Ländern sind rechtliche Fallstricke an der Tagesordnung, ohne Anwalt geht deshalb hier gar nichts. Was Interessenten beim Kauf von Traumimmobilien beachten müssen.
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MEUKENBEUREN. Schon deutsches Immobilienrecht ist für Laien nicht immer übersichtlich - irisches ganz bestimmt nicht. Es orientiert sich an einzelnen Gerichtsentscheidungen, ohne Anwalt geht deshalb hier gar nichts. Das kostet: Ein Prozent des Kaufpreises verlangt der Anwalt, hinzu kommen Gebühren für den Wertgutachter oder einen Architekten. Dafür finanziert den Makler in Irland in der Regel der Verkäufer. Das so genannte "booking deposit", das der Makler vom Käufer einfordert, ist auf den Kaufpreis anrechenbar. Doch um den feilschen die Iren nach allen Regeln der Kunst. Auch wenn sich der Käufer bereits mit dem Makler über einen Kaufpreis geeinigt hat, muss er Mitbewerber um die Immobilie fürchten. Bis auch der Verkäufer den Vertrag unterschrieben hat, kann der Käufer von einem anderen Interessenten überboten werden. Dann heißt es für den ersten Interessenten nachlegen oder verzichten. Wichtig: Die bis dahin gezahlten Gebühren für Schätzer oder Architekten sind verloren, wenn das Geschäft nicht zustande kommt.

Solche rechtlichen Fallstricke sind kein Einzelfall. Auch Käufer, die ihre Traumimmobilie im sonnigen Süden finden, scheitern häufig an den unterschiedlichen Usancen beim Immobilienerwerb. So genügt für den Immobilienkauf in Spanien ein privater Vertrag auf einem Zettel. Einen Anwalt einzuschalten, ist aber immerhin üblich. Notar und Grundbuch sind zwar freiwillig, aber für den Käufer sehr sinnvoll. Prüfen sollten Kaufinteressenten auch, ob der vermeintliche Eigentümer allein oder nur mit Zustimmung des Ehegatten verfügen kann. Vom Vorbesitzer versäumte Steuerzahlungen muss der neue Eigentümer zahlen.

Auch wer ein schönes Gemäuer etwa in der Toskana entdeckt, sollte die Eigentumsverhältnisse klären. Nur in Südtirol, dem Trentino und einigen wenigen anderen Gebieten müssen Käufe ins Immobilienregister eingetragen werden. Auch der Rat eines italienischen Maklers kann teuer werden. Zumal Maklerkosten schon beim Abschluss eines Vorvertrages fällig werden, auch wenn der Kauf nicht zustande kommt. Die Grunderwerbsteuer beträgt stattliche zehn Prozent. Unterverbriefung und Schwarzbauten, bei denen der neue Eigentümer in Konflikt mit den örtlichen Behörden kommt, sind nicht selten. Und wer ein renovierungsbedürftiges Objekt kauft, sollte für die Instandsetzung noch einmal die als Kaufpreis gezahlte Summe einkalkulieren.

Wer weiß, wem es gehört? Das ist auch die Frage in Griechenland. Die Erfassung der Immobilien in einem Kataster ist erst im Aufbau. Deshalb ist es sogar schwierig, wenigstens die letzten Eigentümer der Immobilie festzustellen. Ein fachkundiger griechischer Anwalt kann die Eigentumsverhältnisse am besten klären. Daneben brauchen die Vertragsparteien einen Notar, denn notarielle Beurkundung ist schon für den Vorvertrag vorgeschrieben. Sein Eigen nennen kann der Käufer eine Immobilien in Griechenland erst, wenn der Notarvertrag ins Grundbuch eingetragen wird.

Wer sein Traumhaus an der portugiesischen Algave-Küste entdeckt, findet beim dortigen Amtsgericht ein Grundbuch, das wie in Deutschland den Eigentümer, Hypotheken und Belastungen dokumentiert. Viele Immobilienerben lassen sich aber nicht gleich ins Grundbuch eintragen. Anders als in Deutschland sind in Portugal Vorverträge üblich, die auch ohne notarielle Beglaubigung gültig sind. Nur der endgültige Kaufvertrag wird von einem Notar beurkundet. Vorsicht: Der Bescheid für die jährliche Grundsteuer geht nur an die portugiesische Anschrift.

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