Regionale Kreditwirtschaft als Partner von Bauträgern und Käufern
Wohnimmobilien blühen in der Nische

Der Osten als Immobilienstandort sei tot: Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig. Schaut man auf die Zahl der Zwangsversteigerungen, mag es zwar stimmen. Nirgendwo in Deutschland gab es 2004 mehr Termine als in Leipzig. Doch hier bewahrheitet sich auch, dass in jeder Krise eine Chance steckt: „Leipzig ist Messe- und Handelsstadt“, sagt Frank Kammerer von der Berner & Grasserbauer Grundbesitzanlagen GmbH in Wiesbaden.

HB DÜSSELDORF.„Hier herrschte schon immer Aufbruchstimmung. Das ist eine Stadt, die vorwärts will.“ Und darum realisiert das Unternehmen dort verschiedene Projekte. „Etwa 20 Prozent unseres Gesamt-Engagements widmen wir Leipzig“, sagt Kammerer. „Wir konzentrieren uns auf Top-Lagen wie beispielsweise in Gohlis oder in der Südvorstadt, sanieren dort denkmalgeschützte Immobilien aus der Gründerzeit und verkaufen sie.“ Zum Beispiel in der Eisenacher Straße. Dort werden gerade zwölf Wohneinheiten saniert. Sie sollen zum 30. Juni 2005 bezugsfertig sein. „Man muss den Mikrostandortgenau kennen, um zu wissen, in welcher Ecke man welches Projekt realisieren kann“, sagt Kammerer. Der Kaufpreis für das Objekt in der Eisenacher Straße wird bei etwa 1 890 Euro pro Quadratmeter liegen, der Mietpreis bei 5,10 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Doch bis es so weit ist, muss zunächst einmal investiert werden. Denn die Sanierung ist kostenintensiv, und eine Finanzierung zu bekommen für Bauträger nicht immer einfach. Schließlich haben viele Banken schlechte Erfahrungen in der Nach-Wende-Zeit gemacht. Außerdem führen die Basel-II-Regelungen, auch wenn sie noch gar nicht endgültig verabschiedet sind, schon heute sowohl für Firmen- als auch für Privatkunden zu steigenden Anforderungen bei der Kreditvergabe. So auch bei der Sparkasse Leipzig. Sie setzt seit Mai ein neues Risikoklassifizierungsverfahren ein – hauptsächlich für Firmenkunden. „Es ist aufwändiger als das alte“, sagt Sprecherin Constanze Bröker. Solventen Kunden biete es durch die stärkere Gewichtung der Bonität Vorteile in Form von niedrigeren Zinsen für den Kredit. Wer ein höheres Risiko habe, müsse für das Darlehen dagegen mehr zahlen.

Das Kreditinstitut arbeitet gerne mit kommunalen Kunden zusammen und unterstützt den regionalen Mittelstand: „Wir engagieren uns zum Beispiel beim Bau von Alten- und Pflegeheimen“, erläutert Constanze Bröker. Aber auch Berner & Grasserbauer gehören zu den Kunden. „Die Ankaufsfinanzierung machen wir meistens über die Sparkasse Leipzig“, verrät Kammerer. Die Endfinanzierung für den Kunden übernimmt oft Finanzdienstleister BHW. Andreas Lange, Leiter Kreditgrundsätze: „Der Leipziger Wohnimmobilienmarkt hat sich nach der Konsolidierung stabilisiert, was die Preise und Leerstandsquoten anbelangt.“ BHW finanziere darum hauptsächlich für Kapitalanleger und nur in Top-Lagen – wie beispielsweise Gohlis-Süd. „Durch das neue Porsche- und BMW-Werk und den Umzug des Bundesverwaltungsgerichts entstehen eine Menge neue Arbeitsplätze. Viele Beamte und leitende Angestellte suchen Wohnungen in bevorzugten Lagen“, weiß Lange.

Neben Leipzig ist in Sachsen Dresden ein wichtiger Immobilienmarkt. Dort agiert die Ostsächsische Sparkasse Dresden. „Wir finanzieren bevorzugt die eigengenutzte Immobilie, sei es als Einfamilienhaus, Eigentumswohnung, Reihen- oder Zweifamilienhaus oder als Doppelhaushälfte“, erklärt Andreas Fohrmann, Kommunikationsdirektor der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Die Eigentumsquote liege in der Region Dresden zwar niedriger als in Großstädten der alten Bundesländer. Doch sei die Arbeitsplatzsituation besser als im sächsischen Durchschnitt, daher seien auch die Voraussetzungen für den Erwerb von Wohneigentum besser. „Unsere Kunden haben ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis“, weiß Fohrmann. Die meisten Bauherren oder Immobilienkäufer bevorzugten darum eine geringe monatliche Belastung mit einer Kreditlaufzeit von 30 Jahren. „Auch Sondertilgungsmöglichkeiten werden gewünscht.“

In die Eigentumsfinanzierung ist landesweit auch die Sächsische Aufbaubank mit Sitz in Dresden involviert. Sie ist seit Ende 2002 eine 100-prozentige Tochter des Freistaates. In seinem Auftrag fördert sie Wirtschaft und Technologie, Wohnungs- und Städtebau. Außerdem hat auch die Deutsche Kreditbank in Berlin einen besonderen Fokus auf Investitionen im Osten: „Wir kennen die Bedürfnisse unserer Klientel und versuchen, sie passgenau zu bedienen“, erklärt Kathrin Fernbach, Leiterin des Vorstandsstabes. Freiberuflern aus den neuen Ländern beispielsweise biete man speziell auf ihre Situation zugeschnittene Finanzierungsmöglichkeiten. Das könne ebenso eine einfache Betriebsmittelfinanzierung sein wie ein Kredit für die Einrichtung einer neuen Zahnarztpraxis – oder eben ein Darlehen für den Kauf eines eigenen Hauses oder einer Wohnung.

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