Schularchitektur
Lernlandschaften statt Container

Im Konjunkturpaket II ist reichlich Geld für eine neue Schularchitektur vorgesehen. Doch wie werden die meist düsteren Backsteingebäude und kalten Betonbauten zu pädagigisch sinnvollen „Lernlandschaften“? Ideen und Konzepte hierzu liefert das Land Nordrhein-Westfalen.

DÜSSELDORF. Das Problem ist unübersehbar: Hier zu Lande sind die meisten Schulen entweder düstere Backstein-Gemäuer aus der Gründerzeit, in denen die pädagogische Idee von Zucht und Ordnung durch die Flure weht. Oder es sind abstoßende, ästhetisch freudlose Betonauswüchse aus den 1970er Jahren, meist abgenutzt, oftmals giftstoffverseucht und mit beschmierten Wänden. Dabei der Zusammenhang von erfolgreichem Lernen und ansprechender Architektur längst zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung geworden.

„Zeit für einen pädagogischen Umbau“ fordert das Netzwerk „Archiv der Zukunft“, in dem sich Pädagogen, Politiker und Architekten für gutes Lernen in schönen Schulen engagieren (www.adz-netzwerk.de). Die Realität sehe allerdings anders aus, meinen sie: „Heute sind Schulräume meist Container, in denen Fächer unterrichtet werden, nicht Schüler. In der ästhetischen Verwahrlosung der Orte findet die innere Abwesenheit vieler Schüler und Lehrer ihren Ausdruck.“

Doch wie werden Container zu „Lernlandschaften“? Durch Neubau, Erweiterung oder Umbau von Schulen. Die Gelegenheit dazu war nie günstiger, denn im Konjunkturpaket II ist von den 17,3 Mrd. Euro für Infrastruktur-Maßnahmen zwar das meiste für den Straßenbau vorgesehen. Immerhin stehen aber 8,6 Mrd. Euro für Bildung bereit. Und die sollen schnell verteilt werden, ohne langwierige Genehmigungs- und Ausschreibungsverfahren. Bei der Suche nach kreative Konzepten steht Grundsätzliches im Mittelpunkt: eine pädagogische Architektur. „Man muss sich entscheiden, was man will: eine zukunftsfähige Pädagogik oder den Status Quo“, sagte Architekturprofessor Peter Hübner beim Konvent „Der dritte Pädagoge“ in Münster, „jede Schule braucht ein persönliches Programm.“

Ideen und Konzepte zum Nachahmen liefert Nordrhein-Westfalen. Aus einer Fülle von Bewerbungen auf den neuen, von Schulministerium und der Architektenkammer ausgeschriebenen „Schulbaupreis NRW“ wurden im Jahr 2008 20 neue, umgebaute und erweiterte Schulen prämiert. Ausgangspunkt waren Änderungen, die neue Anforderungen an die Schularchitektur stellen: die Umstellung auf Ganztagsbetrieb, der Trend weg vom Frontalunterricht und auch die Bekämpfung von Vandalismus.

Drei der prämierten Schulen zeigen wie im Architektur-Lehrbuch, wie Veränderung möglich ist. Komplett umgebaut und saniert von Wirtz + Kölsch wurde die Käthe-Kollwitz-Schule in Leverkusen. Jetzt beherrschen leuchtende Farben den Waschbeton-Korpus der Gesamtschule, in der 1 480 Schüler aus 24 Nationen unterrichtet werden. Alles musste bei dem mehr als 30 Jahre alten Bau verändert werden: die Schule war PCB-verseucht, verschmutzt, dunkel, hatte keine Mensa, keine Innenhöfe. Die Jury lobte vor allem die „vielfältige Partizipation“ beim Umbau. Schulleiter Guido Sattler richtete Schüler-AGs ein – sogar für die Sauberkeit der sanitären Anlagen – , um das Verantwortungsgefühl der Schüler zu fördern.

In der Kölner Grundschule Dellbrücker Hauptstraße mussten auf dem begrenzten Grundstück ein zusätzliches Gebäude für die Ganztagsbetreuung von 150 Kindern und eine Turnhalle gebaut werden. Die Kölner Architekten Fischer + Fischer legten die Turnhalle unter die Erde und setzten darauf einen Neubau mit einer Holzverschalung, der wie ein Gartenhaus wirkt – mit begrüntem, Dach und der neuesten Klimatechnik ausgestattet.

Einfacher ist es, eine Schule gleich nach den Maßstäben pädagogischer Architektur neu zu bauen. Das kommunale Gymnasium Steinhagen des Essener Büros Knirr + Pittig sieht aus wie ein futuristisches Uno-Gebäude. Doch das architektonische Leitbild einer sternförmigen Figur hat seinen Sinn: die Verbindung zur Landschaft auf der ästhetischen Seite und die Anordnung der Oberstufenräume in der Kreisfigur auf der pädagogischen.

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