Schwimmende Häuser
Jedem Noah seine Arche

Angst vor den Fluten einer Eisschmelze? Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel steigen und immer mehr Niederländer sehen in schwimmenden Häusern eine Versicherung vor der Klimakatastrophe. Verzichten muss der Wasserbewohner auf nichts. Nächstes Jahr beginnt der Verkauf auch in Deutschland. Eine Handelsblatt-Reportage.

URK. Kleine Wellen kräuseln sich auf dem Ijsselburg-Kanal im Amsterdamer Süden. Ein weißer Schwan paddelt an einer Terrasse aus Holzplanken vorbei. Mit seinen Augen folgt Ed Ditzel dem Federvieh – und mit dem ganzen Körper der Wasserbewegung.

Denn Ditzels Terrasse liegt nicht nur direkt am Kanal, sondern direkt auf dem Wasser. Der Mittdreißiger hat sein gut 150 Quadratmeter großes Haus aufs Wasser gestellt: „Ich habe schon immer davon geträumt, seit ich jung war. Das Haus auf dem Wasser gibt mir ein Gefühl von grenzenloser Freiheit“, sagt Ditzel und schließt die Schiebetür hinter sich.

Ed Ditzel hat sich einen Traum verwirklicht, er ist aber auch ein Klimapionier. Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel steigen – auf der Uno-Klimakonferenz seit Montag auf Bali soll das in letzter Minute verhindert werden –, und immer mehr Niederländer sehen in schwimmenden Häusern auch eine Versicherung vor der Klimakatastrophe. Bauen ließ Ditzel sein Haus von der Firma „ABC Arkenbouw“ – der „Archenbau“ entwickelt sich als Folge der Klimaangst zu einer Boombranche.

Verzichten muss der Wasserbewohner auf nichts. Von innen gleicht Ditzels Haus einer Wohnstätte auf dem Land: Eine großzügige, offene Küche mit großem Esstisch liegt hinter der Schiebetür, dahinter führt eine Treppe in das obere Stockwerk. Das Wohnzimmer liegt eine halbe Etage höher und ist in schlichtem Weiß-Schwarz gehalten.

Entworfen hat das Haus Mark van Ommen von ABC Arkenbouw. „Es ist ein ganz neues Lebensgefühl, eine Mode“, sagt van Ommen. „Vor ein paar Jahren noch wollten die Leute weit weg vom Wasser. Es war Symbol für Gefahr. Jetzt suchen die Leute nach Möglichkeiten, mit dem Wasser zusammenzuleben.“

Seine Firma liegt in Urk, direkt am Ijsselmeer. Die Halle gleicht einem großen Schiffsrumpf: die Wände mit Holzplanken verkleidet, die Decke geschwungen wie eine Welle. Mark van Ommen geht an der Produktionslinie entlang. Noch unfertige Rümpfe aus Beton schwimmen in einem Sammelbecken in der Mitte der riesigen Halle – im „Zentralhafen“.

Zwei Arbeiter kleiden den nackten Beton mit Dämmwolle aus. Eigentlich verwenden die Wasserbauer genau die gleichen Materialien wie für ein Haus an Land. „Aber im Rumpf steckt das Geheimnis unserer Archen“, sagt van Ommen. „Das Volumen, das wir umschließen, ist größer als das Gewicht. Deshalb schwimmen unsere Häuser – wie ein Schiff.“

Bei ABC Arkenbouw laufen in diesem Jahr 60 Häuser vom Stapel. Das Geschäft boomt. Die Mitarbeiterzahl ist in 15 Jahren von vier auf 45 angewachsen. „Wir gehören zu den wenigen, die vom Klimawandel profitieren“, sagt van Ommen. „Wer auf dem Wasser wohnt, muss nämlich keine Angst haben vor Überschwemmungen.“ Für 2008 rechnet er mit mindestens 100 Aufträgen.

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