Seniorenwohnungen
Wohnen ohne Barrieren

Um den künftigen Bedarf an altengerechten Wohnungen zu decken, ist nach Ansicht von Verbänden der Bau- und Wohnungswirtschaft ein staatliches Förderprogramm für den Neubau von Seniorenwohnungen unerlässlich. Bei ihrer Forderung berufen sich die Verbände auf ein Gutachten des Eduard Pestel Instituts, das im Mangel an seniorengerechten Wohnungen ein erhebliches soziales Konfliktpotenzial erkennt.

BERLIN. „Wir fordern die Einführung einer spezifischen degressiven AfA für seniorengerechte Wohngebäude in Höhe von vier Prozent für die ersten acht Jahre“, sagt Alexander Rychter, Geschäftsführer des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW). Eine AfA (Absetzung für Abnutzung) ermöglicht es Bauherren, einen Teil ihrer Ausgaben steuerlich geltend zu machen, und wirkt so als Anreiz zum Investieren.

Bei ihrer Forderung berufen sich die Verbände auf ein Gutachten des Eduard Pestel Instituts, das im Mangel an seniorengerechten Wohnungen ein erhebliches soziales Konfliktpotenzial erkennt. Haushalte mit niedrigen Renten, argumentiert Pestel-Vorstand Matthias Günther, müssten schon heute mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben. „In Zukunft treffen sinkende Alterseinkommen auf steigende Wohnkosten“, prognostiziert Günther. Zudem sei die ambulante Versorgung pflegebedürftiger Menschen in nicht altersgerecht ausgestatteten Wohnungen schwer möglich. Die Förderung entsprechender Neubauten, so Günther, spare damit Pflegekosten.

Nach Ansicht von Hans Georg Leuck, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau, müssten daher nicht mehr zeitgemäße Nachkriegsbauten abgerissen und anschließend neu gebaut werden. Denn in vielen Fällen sei eine seniorengerechte Modernisierung teurer als ein Neubau, rechnet Leuck vor: Eine energetische und barrierearme Komplettmodernisierung koste bis zu 1 475 Euro pro Quadratmeter (qm) Wohnfläche; werde völlige Barrierefreiheit angestrebt, stiegen die Kosten auf bis zu 1925 Euro/qm.

Andere Experten halten diese Zahlen für unrealistisch. „Die reinen Baukosten für einen barrierearmen Umbau, verbunden mit einer energetischen Sanierung, betragen je nach Umfang der Arbeiten rund 500 bis 600 Euro pro Quadratmeter“, sagt Torsten Bölting vom Bochumer Inwis-Institut. Doch nicht nur aus finanziellen Gründen sei es falsch, ausschließlich auf Neubau zu setzen. Vielmehr benötigten längst nicht alle Senioren barrierefreien Wohnraum. „Erst ab 80 Jahren steigt die Pflegewahrscheinlichkeit signifikant.“

Bölting folgert daraus, „dass wir auch Bestandsanpassung brauchen – und die muss nicht immer bis zur Barrierefreiheit gehen“. In der Tat sei es sehr aufwändig, im Bestand eine rollstuhlgerechte Wohnung zu schaffen. „Das ist aber nicht immer nötig, schon mit kleineren Maßnahmen lassen sich erhebliche Verbesserungen bewirken.“

Darauf setzt die Dortmunder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (Dogewo), die im Verlauf der vergangenen vier Jahre fast 1 000 ihrer 16 000 Wohnungen barrierearm umgestaltet hat. Kern sei dabei die Ausstattung des Badezimmers mit bodengleicher Dusche und unterfahrbarem Waschbecken, erläutert Sprecherin Regine Stoerring. Die Mehrkosten der ohnehin nötigen Badsanierung beziffert Stoerring auf gut 3 000 Euro pro Wohnung. Und die Städtische Wohnungsgesellschaft Wilhelmshaven (Stäwog) gestaltete ein unscheinbares Fünfziger-Jahre-Ensemble in der Schillerstraße altengerecht um, indem sie Barrieren in den Wohnungen und den halböffentlichen Bereichen weitgehend abbaute. Zentrales Element waren dabei neue Laubengänge, die über einen Aufzug erschlossen sind.

Auch BFW-Bundesgeschäftsführer Rychter weiß, wie wichtig die Bestandssanierung ist. Er fordert deshalb, das KfW-Programm „Altersgerecht umbauen“ aufzustocken. Darüber hinaus müssten Eigentümer von Wohnungen in innerstädtischen Lagen wählen können, ob sie Fördermittel für die Bestandsmodernisierung oder den Ersatzneubau verwenden möchten.

Zukunftsaufgabe

Wohnungen für Senioren
Die Angaben über die Zahl altersgerechter Wohnungen in Deutschland schwanken. Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) schätzt die Zahl auf 400 000 oder ein Prozent des Gesamtbestandes. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) spricht von 490 000 seniorengerechten Wohnungen, das Inwis-Institut von 430 000. Enthalten sind Wohnungen ohne Dienstleistungsangebote, betreutes Wohnen, Seniorenresidenzen und gemeinschaftliche Wohnformen.

Förderprogramme
Einzelne Bundesländer unterstützen die seniorengerechte Bestandsanpassung mit Fördermitteln. Bundesweit gibt es seit diesem Jahr das mit 80 Mio. Euro ausgestattete KfW-Programm „Altersgerecht umbauen“.

Demografie
Wissenschaftler rechnen damit, dass in 30 Jahren etwa 7,5 Millionen Menschen in Deutschland über 80 Jahre alt sein werden – fast doppelt so viele wie heute. 23,7 Millionen Deutsche werden dann älter als 65 Jahre sein

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