Sorge vor Zinserhöhung
Britischer Markt hat die Spitze erreicht

Noch boomt der britische Immobilienmarkt. Eine neuerliche Zinserhöhung dürfte für einen Dämpfer sorgen.
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Eine gute Nachricht nicht nur für Investmenbanker, Vermögensverwalter und Börsenhändler: in der Londoner Finanzwelt werden die Boni dieses Jahr wohl um 50 Prozent höher ausfallen als 2005. Freuen können sich darüber nicht nur die mehr als 300 000 Beschäftigten in der Finanzindustrie, sondern auch Porsche-Händler, Juweliere und Immobilienmakler. Wenn es der City gut geht, steigt die Nachfrage nach Millionenobjekten in den angesagten Vierteln wie Kensington, Chelsea und Notting Hill.

Nicht nur in der britischen Hauptstadt, sondern auch in den anderen Teilen des Königreichs boomt der Immobilienmarkt. Selbst die Entscheidung der Bank of England, die Zinsen im August um einen Viertelprozentpunkt auf 4,75 Prozent anzuheben, konnte den Enthusiasmus bisher nicht dämpfen. Im September stiegen die Preise für Eigenheime und Wohnungen im Vergleich zum Vormonat um 1,3 Prozent, im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 8,2 Prozent an.

In den vergangenen vier Jahren haben sich die Immobilienpreise in Großbritannien verdoppelt. Anders als in den USA, wo die Anhebung der Tagesgeldzinsen auf mittlerweile 5,25 Prozent für Katerstimmung sorgt, ist der Optimismus in Großbritannien bisher noch ungebrochen. "Der britische Immobilienmarkt wird von der guten wirtschaftlichen Entwicklung, der anhaltenden Nachfrage und der Bevölkerungsentwicklung gestützt", sagt Milan Khatri, Chefvolkswirt der Royal Institution for Chartered Surveyors.

London ist ein Magnet für gutverdienende Arbeitskräfte aus aller Welt geworden. Es mangelte an Wohnraum. Diese Knappheit heizte die Nachfrage an. Doch nun steigt die Gefahr der Überhitzung. Zahlreiche Experten erwarten, dass die Bank of England die Zinsen im November noch einmal anheben wird. Das könnte auch eine Wende am Immobilienmarkt einläuten: denn die Zinslast der britischen Eigenheimbesitzer ist wegen der flexiblen Hypotheken direkt an den Leitzins gekoppelt. "Der britische Immobilienmarkt dürfte schon bald seinen Spitzenwert erreicht haben", sagt Paul Guest von Economy.com, einer Tochter der Ratingagentur Moody's. Allerdings rechnet er nicht mit einem Crash. In den Londoner Spitzenlagen wird sich ohnehin wenig ändern. Denn Banker, Händler und Fondsmanager müssen sich angesichts großzügiger Boni, nicht um die Kreditzinsen sorgen.

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