Sozialimmobilien
Pflegeheime sollen kleiner werden

Bis 2020 wird sich die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland verdoppeln. Um die starke Nachfrage nach Pflegeeinrichtungen auch in Zukunft zu befriedigen, reichen die bisherigen Rezepte nicht mehr aus. Experten favorisieren daher dezentrale, kleine Einrichtungen.

BERLIN. Die Prognose klingt dramatisch. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland wird sich von derzeit 2,25 Mio. bis zum Jahr 2050 auf knapp 4,5 Mio. verdoppeln, heißt es in einer soeben veröffentlichten Studie von Deutsche Bank Research. Mitte des Jahrhunderts, schreiben der Freiburger Soziologieprofessor Baldo Blinkert und der Deutsche-Bank-Forscher Bernhard Gräf, werden nicht mehr wie heute 700 000, sondern voraussichtlich drei Millionen Menschen in Pflegeheimen leben. "Der Heimsog", erklären die Fachleute, "ist wohl unvermeidbar."

Entwickler von Pflegeimmobilien und ihre Investoren setzen deshalb seit längerem große Hoffungen auf das Marktpotenzial. "Die demografische Entwicklung in Deutschland sorgt für eine nachhaltig steigende Nachfrage nach Sozialimmobilien", stellt etwa die dänische Fondsgesellschaft Euro Ejendomme fest. Sie hat soeben einen geschlossenen Fonds aufgelegt, der 300 Mio. Euro in deutsche Pflegeheime investieren will. Vor allem in den Boomjahren 2006 und 2007 verfolgten zahlreiche andere Investoren eine ähnliche Strategie - mit der Folge, dass die Zahl der Pflegebetten allein zwischen 2005 und 2007 um gut fünf Prozent auf 777 000 stieg.

Doch die Prognose, dass die wachsende Zahl älterer Menschen zu einem ebenso starken Anstieg der Pflegebedürftigen führt, ist umstritten. "Der Bedarf an stationären Pflegeheimplätzen kann nicht allein aus der demografischen Hochrechnung abgeleitet werden", sagte Dietmar Krüger, Mitglied des Vorstands der Bank für Sozialwirtschaft, ein Finanz- und Servicedienstleister für Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens, auf einer vom Kongressveranstalter IIR in Berlin organisierten Konferenz zum Thema Seniorenimmobilien. Nach Krügers Einschätzung wird die Nachfrage nach stationären Pflegeplätzen dadurch gebremst, dass der Gesetzgeber verstärkt die ambulante Versorgung fördert und die Kunden vermehrt auf den Preis achten.

"Die Menschen wollen nicht in Altenghettos ziehen", sagte Marie-Therese Krings-Heckemeier, Vorstandsvorsitzende des Marktforschungsinstituts Empirica, auf der Berliner Veranstaltung. Zwar nehme infolge der demografischen Entwicklung das Risiko, pflegebedürftig zu werden, zu; die ambulante Pflege gewinne aber an Bedeutung. Schon heute seien nur etwa 30 Prozent der pflegebedürftigen Menschen stationär untergebracht. "Deshalb sollten wir vor allem über den Wohnungsmarkt sprechen", folgert Krings-Heckemeier.

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