USA
Immobilien-Schnäppchen mit Geschichte

Auch das Elternhaus von US-Notenbank-Chef Ben Bernanke ist im Zuge der Finanzkrise unter den Hammer gekommen - und zum Schleuderpreis weggegangen.

DILLON. Zufrieden durchstreift Travis Jackson sein neues Haus in Dillon im US-Bundesstaat South Carolina. Er zieht die Vorhänge zurück, das Sonnenlicht fällt auf sein Gesicht, seinen Stolz kann er in diesem Moment nicht verbergen. Das liegt nicht nur an den schönen Details des Hauses wie dem Fußboden aus Roteiche oder dem eingebauten Gewürzregal in der Küche. "Es ist ein besonderes Gefühl zu wissen, dass eine der derzeit größten Führungspersönlichkeiten über denselben Fußboden ging, über den ich jetzt laufe", sagt er. Es ist Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Federal Reserve, der hier, an der East Jefferson Street, seine Kindheit und Jugend verbracht hat.

Das neue Traumhaus mit Geschichte hat der 27-jährige Bankangestellte Jackson zum Schleuderpreis erworben. 83 000 Dollar hat er für den 220 qm großen Bungalow bezahlt. Das Haus war im Zuge einer Zwangsversteigerung auf den Markt gekommen.

Während der Fed-Chef in Washington gegen die Finanzkrise kämpft, ist so ausgerechnet die Geschichte seines Elternhauses zu einem Paradebeispiel für die unseriösen Geschäftspraktiken der amerikanischen Hypothekenbanken geworden. Bevor Travis Jackson sein Domizil bezog, hatte das Eigenheim in der East Jefferson Street bereits mehrfach den Besitzer gewechselt.

Bernankes Familie lebte fast fünfzig Jahre in dem Backsteinbungalow. Vater und Onkel betrieben als angesehene Bürger die großväterliche Apotheke. Ende der 90er-Jahre zogen Bernankes Eltern nach North Carolina und verkauften den Bungalow. 2006, auf dem Höhepunkt der Immobilienblase, boten die Nachfolger der Bernankes die Immobilie erneut zum Verkauf an.

Nun griffen Dwayne Thompson und seine Lebensgefährtin Sharon Rogers zu. Der Bungalow war genau das, wovon sie immer geträumt hatten. Sie waren keine Großverdiener doch sie wagten es dennoch, ein Darlehen über 123 000 Dollar aufzunehmen. Zwei Jahre später sollte das ihr Verhängnis werden. Doch in Zeiten steigender Preise hielten sie die Immobilie für eine sichere Investition.

Für Thompson, selbst in Dillon aufgewachsen, sei das große Haus mit seinen vier Schlaf- und drei Badezimmern eine Möglichkeit gewesen, gesellschaftlich aufzusteigen, sagt er. Er kaufte schon als Kind in der Apotheke von Bernankes Großvater Bonbons. Dass sein neues Haus jedoch mal den Bernankes gehörte, davon habe Thompson nichts geahnt, sagt er. Für ihn sei das Anwesen einfach " der amerikanische Traum" gewesen.

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