Weniger Neugeschäft
Bausparkassen spüren Zurückhaltung der Kunden

Die 14 privaten und zehn öffentlich-rechtlichen Institute verkaufen 2009 erheblich weniger Bausparverträge. Die Bürger sparen lieber anderswo. In ihrer Not rufen die Bausparkassen nach der Politik. Sie soll den Wohn-Riester vereinfachen und so das Interesse der Verbraucher anheizen.
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FRANKFURT. Die deutschen Bausparkassen richten sich trotz des Wohn-Riester-Booms 2009 auf deutliche Einbußen im Neugeschäft ein. Rechnet man die vorliegenden Zahlen hoch, könnte das neue Bausparvolumen erstmals seit sieben Jahren wieder unter die Marke von 90 Mrd. Euro fallen, was einem Rückgang von nahezu zehn Prozent entspräche. Die Gründe: Einerseits halten die Bundesbürger ihr Geld zusammen, weil sie durch Wirtschaftskrise und steigende Arbeitslosigkeit verunsichert sind. Andererseits hatten viele Kunden vor einem Jahr noch massenhaft Bausparverträge unterschrieben, weil der Gesetzgeber die Konditionen zum Jahreswechsel verschärft hat.

Deshalb fordert die Branche nun die Bundesregierung auf, die als Wohn-Riester bekannt gewordene Eigenheimrente wie im Koalitionsvertrag versprochen zu vereinfachen und auszuweiten. So verweist der Verband der privaten Bausparkassen (VDPB) auf die Klimadiskussion und verlangt, dass auch Wärmedämmung oder der Einbau besserer Heizungen in die Förderung einbezogen werden (s. Interview).

Politische Sonderkonjunktur

Die Bausparkassen hatten noch im vergangenen Jahr ihr zweitbestes Ergebnis erzielt und mit 3,9 Mio. neuen Verträgen eine Bausparsumme von 99 Mrd. Euro hereingeholt. Die privaten Bausparkassen, die mit Anbietern wie Schwäbisch Hall oder Wüstenrot rund zwei Drittel des Marktes ausmachen, kommen nun bis Ende November auf ein Abschlussvolumen von rund 50 Mrd. Euro. „Das liegt zwar acht Prozent unter dem Vorjahreswert, aber etwa auf dem Niveau von 2007. Und das trotz der Finanzkrise“, sagt Verbandschef Andreas Zehnder. Er spricht von einer Normalisierung des Geschäfts nach dem Ausnahmejahr 2008. Die privaten Bausparkassen hatten damals Verträge über eine Bausparsumme von 63 Mrd. Euro verkauft und damit um elf Prozent zugelegt.

Auch die öffentlich-rechtlichen Landesbausparkassen (LBS) gehen von einem Minus aus. „Das Neugeschäft der LBS wird 2009 insgesamt nicht das Ergebnis des besonders guten Vorjahres erreichen“, meint Verbandsdirektor Hartwig Hamm. Er rechnet mit Werten auf dem Niveau der Jahre zuvor. Die zehn Institute verkauften 2008 rund 1,5 Mio. Verträge mit einer Bausparsumme von 35,8 Mrd. Euro. Die LBS West in Münster als größte Landesbausparkasse stellt sich auf Einbußen zwischen fünf und acht Prozent ein. Die LBS Bayern nannte konkrete Zahlen: minus 9,3 Prozent.

Zwei Gründe sind entscheidend: Zum einen gab es 2008 eine „politische Sonderkonjunktur“, wie VDPB-Chef Zehnder es ausdrückt. Denn seit Jahresbeginn darf das Bausparguthaben nur noch fürs Bauen, Kaufen oder Renovieren eines Hauses genutzt werden. Nur wer unter 25 einen Bausparvertrag abschließt, kann sein Guthaben auch später noch völlig frei verwenden. Daher hatten viele Kunden unter kräftiger Mitwirkung der Verkaufsmannschaften noch vor Ultimo unterschrieben.

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