Wohnen
Mietvertrag nur gegen Bares

Der deutsche Markt für Wohnimmobilien ist zweigeteilt: In den beliebten Metropolen zahlen Mieter viel Geld, um an eine neue Wohnung zu kommen. In schwachen Regionen werden sie dagegen umworben. Dort gibt es sogar Prämien für Mieterwerbung.
  • 5

HAMBURG. Millionen Mieter ziehen Jahr für Jahr in Deutschland um. Für die einen ist das ein reines Zuschussgeschäft: Wer in den begehrten Metropolen wie Hamburg oder München, Köln oder Frankfurt eine neue Wohnung bezieht, ist ziemlich schnell um ein paar tausend Euro ärmer. Maklergebühren, Renovierungs- und Umzugskosten, dazu das ein oder andere neue Möbelstück schlagen heftig ins Kontor. Mieter in anderen Teilen der Republik haben es da deutlich besser: Ob tief im Westen oder weit im Osten, ob in der Hauptstadt oder in der Provinz - überall dort, wo das Wohnungsangebot größer ist als die Nachfrage, wird die Unterschrift unter den Mietvertrag nicht selten mit Bargeld belohnt.

So zahlt das Bochumer Wohnungsunternehmen Deutsche Annington jedem Mieter 100 Euro, der einen Nachmieter für seine eigene oder eine andere leere Wohnung aus dem Bestand der etwa 217 000 Annington-Wohnungen findet. Auf diese Weise könnten Mieter sich "ihre Nachbarn selbst aussuchen", begrüßt auch Dennis Heffter von der Hamburger Prelios Immobilien Management, dem Wohnungsverwalter der bis Mitte des Jahres als Pirelli RE bekannten Prelios-Gruppe, diese Art des Finderlohns. Insbesondere in Vierteln mit Imageproblemen mache das Vorgehen Sinn. Denn wenn solvente Mieter Freunde und Bekannte in die Nachbarschaft holten, könne dies "das Wohnumfeld stabilisieren".

Prämien für die Anwerbung von Mietern gibt es auch im Landkreis Schaumburg nahe Hannover. Dort verspricht der zur Conwert-Gruppe gehörende Dienstleister für Wohnungsunternehmen Alt+Kelber "250 Euro Prämie für einen neuen Mieter". Und die Düsseldorfer LEG Wohnen lobt in einigen ihrer Kundencenter bis zu 150 Euro für die erfolgreiche Mietervermittlung aus.

Auch die im Osten Deutschlands tätige TLG Immobilien zahlt Mietern, die einen neuen Mieter werben, eine Kopfprämie von 222 Euro. Dabei geht der neue Mieter selbst nicht leer aus: Bei Unterschrift unter den Mietvertrag gibt es zum Einzug ein Laptop, eine Waschmaschine oder einen Flachbildschirm.

Drei Monate mietfrei wohnen

Das funktioniert selbst in der Hauptstadt: In unattraktiven, von Großsiedlungen geprägten Stadtteilen wie Lichtenberg und Hohenschönhausen zahlen Vermieter Bares oder gewähren ihren neuen Mietern Rabatte, berichtet Reiner Wild, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins: "Mieter zahlen zum Beispiel in den ersten drei Monaten keine Miete."

Davon können Wohnungssuchende in den Szene-Bezirken Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg nur träumen. Denn hier muss der Interessent zumeist zahlen - entweder an einen Makler oder an den Vormieter. Dabei fließen oft hohe Summen, sagt Wild, "auch als Abstand für Unrat". Das Phänomen ist weder neu noch auf Berlin beschränkt. Auch in Hamburg oder München sind happige Abschlagszahlungen an der Tagesordnung.

Transparenter, wenn auch nicht in jedem Fall günstiger, ist das Angebot des Internetportals Yoom. Auf dem Online-Marktplatz gehen Umzugswillige auf die Suche nach Nachmietern. Stößt ein Angebot auf Gegenliebe und es kommt ein Mietvertrag zustande, zahlt der neue Mieter eine Nettomonatskaltmiete an den Vormieter, 99 Euro kassiert Yoom. Geschäftsführer Malte Niebuhr sieht in diesen Kosten kein Problem, schließlich sei der Betrag unterm Strich "deutlich geringer als die weit verbreiteten zwei Nettokaltmieten Courtage, die professionelle Makler einstreichen".

Einen Monat doppelt zahlen

In Städten wie Hamburg, München oder Köln, wo Wohnungen Mangelware sind, sei das Portal sinnvoll und könne durchaus als Alternative zur Suche über die Zeitung oder eines der etablierten Immobilienportale im Internet funktionieren, sagt der Vorsitzende des Hamburger Mietervereins, Eckard Pahlke. Wohnungsunternehmen wie die Deutsche Annington haben allerdings wenig Interesse daran, dass Mieter von Nachmietern Prämien kassieren, betont eine Sprecherin. Und Verbraucherschützer verweisen darauf, dass der Handel nur dann über die Bühne gehe könne, wenn der Vermieter seinem Vertragspartner das Recht eingeräumt habe, Nachmieter zu stellen - und diesen am Ende auch akzeptiere.

Kommentare zu " Wohnen: Mietvertrag nur gegen Bares"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Vermietung und Verkauf einer immobilie sind mit hohem Aufwand verbunden. Vermieter und Verkäufer setzen hierfür oft einen Makler - die Zeche zahlt aber meistens der Mieter bzw. Käufer. Eine große Ungerechtigkeit, die nur der Gesetzgeber regeln kann.

  • Prämie für neue Mieter? Nur wo das Angebot größer ist als die Nachfrage? Wie begründen Sie denn folgende Tatsache:
    in München zahlen Makler 1000 EUR, wenn man einen Mieter an sie vermittelt.

  • Man hat in den letzten Jahren immer allesnur zugunsten der Großvermieter getan, der Staat hat Kleinvermieter nur abgezockt.
    Hinzukommt ein zu Mieterfreundliches Recht.
    Dies trägt Früchte: Es lohnt sich für Kleinvermieter nicht mehr, Mietwohnungen zu besitzen: das Angebot sinkt die Preise steigen, und es stehen immer öfters nur noch Wohnungen der großen Gesellschaften zu Verfügung.

    Und die sind oft schlecht und teuer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%