Wohnungsbaukredite
Blase, welche Blase?

Politiker wollen die Vergabe von Baugeld weiter einschränken. Unnötig und schädlich sei dies, meint das Wirtschaftsforschungsinstitut IW. Die Deutschen ließen sich nicht zu riskanten Finanzierungen hinreißen.
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DüsseldorfDie Preise für neue Eigentumswohnungen sind in Deutschland 2016 um 8,5 Prozent gestiegen, hat das Immobilienmarktforschungsinstitut Empirica am Dienstag festgestellt. In den kreisfreien Städten kletterten die Preise sogar um fast zehn Prozent. Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäusern gingen vergleichbar nach oben.

Solche Zahlen machen Bundesbankern und Politikern Angst. Angst vor einer Kredit- und Immobilienlase, die, wenn sie platzt, Tausende überschuldete Haushalte zurücklässt und Banken zu Pflegefällen macht wie 2008. Damals wurden in den USA Immobilienkredite in Höhe vieler Milliarden Dollar notleidend und die Pleite der Investmentbank Lehman hinterließ Chaos auf den Finanz- und Kapitalmärkten hinterließ.

Doch die Sorge vor einer Kreditblase ist unbegründet, stellt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie fest. Anhand eines empirischen Modells zeigt das Institut, dass sich das Kreditvolumen deutlich schwächer entwickelt, als dies angesichts der Rahmenbedingungen zu erwarten gewesen wäre. Einerseits ist zwar das monatliche Neugeschäftsvolumen von Wohnungsbaukrediten von Banken an private Haushalte zurzeit höher als vor dem Jahr 2014. Bis dahin lag der monatliche Mittelwert bei etwa 15 Milliarden Euro, danach bei 20 Milliarden Euro. Doch inzwischen ist das Volumen wieder etwas niedriger. Dass keine Gefahr einer Kreditblase besteht, ergibt sich für das IW aus dem Verhältnis von Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu Wohnungsbaukrediten. Das war früher deutlich höher und ist seit 2009 rückläufig. „Gemessen an den Zinsen und Hauspreisen lässt sich in Deutschland momentan kein zu starkes Kreditvolumen beobachten“, heißt es in der IW-Studie.

Die Autoren der Studie, Daniel Brendel und Michael Voigtländer, der Immobilienexperte des IW, empfehlen deshalb: „Weitere Verschärfungen bei der Wohnimmobilienfinanzierung sind daher nicht notwendig, sondern würden sich eher nachteilig auf Haushalte und Banken auswirken. Zu den Rahmenbedingungen zählen das auch nach dem jüngsten Zinsanstieg noch immer sehr billige Baugeld und die nach Ansicht der Deutschen Bank und anderer Marktbeobachter auf Jahre hinaus steigenden Häuser- und Wohnungspreise.

Kommentare zu " Wohnungsbaukredite: Blase, welche Blase?"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Sehr geehrter Herr Reichel,

    "Blase, welche Blase?". Vor etwa zwei Wochen gab es in Ihrem Blatt ein längeres Interview mit den Vermögensverwaltern der Superreichen. Sie wurden unter anderem gefragt, wie man bei den verschiedenen Anlageklassen und Märkten eine Blase erkennt.

    Vielleicht halten Sie sich aber zunächst vor Augen, welche Interessen die Vermögensverwalter vertreten. Den Herren geht es ausschließlich um die Renditen des Anlegers. Die Förderung der Bauwirtschaft, die Vergabe von Baudarlehen oder die Beseitigung der Wohnungsnot ist nicht ihr Anliegen. Darüber sollen andere diskutieren.

    Doch zurück zu den Vermögensverwaltern. Eine Blase erkennen sie daran, dass der entsprechende Vermögensgegenstand keine oder nur eine sehr geringe Rendite abwirft. Bestes Beispiel sind die Anleihemärkte. In Deutschland sind die Kurse der Staatsanleihen so stark gestiegen, dass man für Laufzeiten bis zu 8 Jahren für die Hergabe seines Geldes keinen Cent verdient, sondern sogar Geld verliert. Negative Renditen sind natürlich ein Extremfall. Aber auch ein untrügliches Zeichen für eine Blase.

    Und nun zum Immobilienmarkt. Die Diskussionsbeiträge der Herren vom Institut der Deutschen Wirtschaft führen in die Irre. Die Solidität der Finanzierung mag darüber entscheiden, ob der Bauherr sich das Häuschen leisten kann. Aber ob der Kauf sich rechnet, ist eine ganz andere Frage.

    Blenden wir alle Finanzierungsfragen einmal aus. Wenn ein Mitbürger 1 Million im Lotto gewonnen hat, kriegt er dafür in meiner Heimatstadt eine Eigentumswohnung von vielleicht 110 qm. Als Jahresmiete sind bestenfalls 30 000 EUR zu erzielen. Von der Miete gehen noch Grundsteuer, Instandhaltungsrücklage und manch andere nicht auf den Mieter umlegbare Kosten ab. Mit viel Glück bleiben 25 000 EUR übrig, die dann auch noch dem persönlichen Steuersatz unterliegen.

    Wenn das ganze ein gutes Geschäft ist, haben wir keine Immobilienblase. Gilt die Rendite als mickrig, liegt eine Blase vor.

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