Zwangsräumungen
Neue Gefahr am US-Häusermarkt zieht auf

Die Wall Street gerät erneut ins Fadenkreuz der Politik. US-Banken sollen - in vielen Fällen zu Unrecht - Kunden aus ihren Häusern vertrieben haben, die ihre Hypotheken nicht mehr bedienen konnten. Politiker fordern einen Stopp der Räumungen. Was für die Kunden gut ist, könnte die Institute bedrohen.
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NEW YORK. Die Wall Street und ihre offenbar dubiosen Geschäftspraktiken am US-Immobilienmarkt geraten erneut in das Fadenkreuz der Politik. US-Banken haben unzählige Kunden aus ihren Häusern vertrieben, die angeblich ihre Hypotheken nicht mehr bedienen konnten. In vielen Fällen soll dies völlig zu Unrecht geschehen sein. Führende Politiker fordern nun staatsanwaltschaftliche Ermittlungen und ein Moratorium für alle Räumungen und Zwangsversteigerungen.

Die Mehrheitsführerin der regierenden Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, fordert etwa die US-Generalstaatsanwaltschaft auf, die Praktiken der Banken zu untersuchen. In "Hunderttausenden von Fällen" hätten sich die Institute auf fehlerhafte Dokumente gestützt. Einige Geldhäuser haben bereits vorsorglich alle Zwangsmaßnahmen ausgesetzt und wollen ihre Unterlagen prüfen. So hat etwa der Branchenprimus Bank of America alle Prozesse in 23 Bundesstaaten der USA gestoppt.

Viele Finanzinstitute gingen schlampig mit Dokumenten um

Was für die betroffenen Bürger eine gute Nachricht sein dürfte, könnte nach Einschätzung von Experten für den US-Immobilienmarkt, dessen Kollaps die jüngste Finanzkrise auslöste, zu einem echten Problem werden. Je länger es dauere, den Markt von überschuldeten Häusern zu reinigen, desto größer sei die Gefahr, dass die Häuserpreise erneut einbrechen. Denn bereits jetzt stecken nach Schätzungen von Amherst Securities sieben Millionen Häuser in Zwangsversteigerungsprozessen fest. Durch ein offizielles Moratorium würde diese Zahl weiter steigen. Wenn die Gebäude irgendwann auf den Markt kommen, könnte dies einen erneuten Crash am Immobilienmarkt verursachen, schrieb Amherst-Analystin Laurie Goodman in einer Studie.

Unseriöser und schlampiger Umgang mit Bönitätsprüfungen durch US-Banken hatte bereits die Finanzkrise ausgelöst und scheint nun auch deren Bewältigung zu behindern. Während der Boomphase am Häusermarkt bis 2007 hatten die Finanzinstitute die Zahlungsfähigkeit der Hypothekennehmer oftmals gar nicht überprüft oder ihnen geradezu wissentlich Darlehen gegeben, die sie niemals zurückzahlen konnten. Dies hatte zu einer enormen Bewertungsblase am Häusermarkt geführt. Als die dann platzte, stieg die Zahl der Privatinsolvenzen rasant, weil die Schuldner ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bezahlen konnten. Die Folge waren über zwei Billionen Dollar Abschreibungen bei den Banken weltweit und die global schwerste Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren.

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  • @ k.h.a.

    ihre Ausführungen klingen sehr plausibel!

    Die von ihnen zitierten Wirkungen in der öffentlichen Meinung werden dennoch nicht verfehlt. Siehe z.b. beitrag von "infotainment"

  • Falsch verstanden, falsch berichtet und politisch mißbraucht: in 23 bundestaaten werden für die sonst unproblematischen Übernahmen der zu räumenden Häuser richterliche Anordnungen verlangt, welche von den banken vermittels eidesstattlicher Versicherungen leicht erlangt werden konnten bis nun festgestellt wurde, daß die Rückverfolgung einiger in Frage stehenden Hypotheken wegen ihrer Aufnahme in Anleiheprodukte und deren globalen Verbreitung schwierig sein kann. in Einzelfällen wurden sodann die eidesstattlichen Versicherungen für richterliche Entscheidungen nicht zugelassen. Das ändert natürlich nichts daran, daß alle Voraussetzungen zur Zwangsvollstreckung materiall vorliegen. in allen anderen bundesstaaten ist das unproblematisch. Hier wird mit Unkenntnis und Dummheit der Wähler in USA Schindluder getrieben und so getan, als ob Unrecht vorläge. Das ist blödsinn. Die Verzögerungen sorgen nur dafür, daß die Krise in USA - nicht nur der banken - sich ungebührlich verlängert.

  • Dieses bankerdrecksgesindel gehört komplett auf den Mond geschossen. Solch ein verrottetes Pack! Gier und Arroganz kennt bei denen keine Grenze. Das deckt sich völlig mit meinen Erlebnissen als iT-Freelancer im bankenbereich. Das, was ich dort gesehen habe, diese Mentalität hat mich so angekotzt, daß ich mich - ungeachtet der tollen Stundensätze - freiwillig von dort zurückgezogen habe und in weniger lukrative Sparten gewechselt habe. Das wollte ich mir nicht antun. Einfach nur zum Kotzen ist das.

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