40 Prozent Verlust
Infineon-Aktie schrumpft zum Pennystock

Miserable Quartalszahlen und ein höchst unsicherer Ausblick haben die Aktie des Chipherstellers Infineon ins Bodenlose fallen lassen. Der Kurs stürzte sogar unter die Marke von einem Euro. Und nicht nur die Anleger lassen den Konzern fallen. Auch Analysten senken ihren Daumen über Infineon. Immerhin: Der Platz im Dax wackelt noch nicht.

rad/HB FRANKFURT. Die Infineon-Aktie fristet im Dax schon lange ein trauriges Dasein. Seit Jahren gehören die Papiere des Chipherstellers zu den größten Verlierern im Leitindex. Von den 70 Euro, zu denen die Aktie am 13. März 2000 an die Börse gegangen war, ist der Kurs längst meilenweit entfernt. Am Mittwoch toppte Infineon aber alles, was bisher an schlechten Nachrichten dagewesen war. Nach enttäuschenden Quartalszahlen und einem deprimierenden Ausblick stürzte die Aktie um mehr als 40 Prozent ab und rutschte unter die Marke von einem Euro. Ein Penny Stock im Dax - das hatte nicht einmal das Papier der Krisenbank Hypo Real Estate geschafft.

Dass Infineon in einer Krise steckt, war bereits vor dem Quartalsbericht bekannt. Wie tief die Krise ist, wurde vielen Börsianern allerdings erst jetzt klar. Für das vergangene Geschäftsjahr meldete der Chipkonzern einen Verlust von 3,1 Mrd. Euro. Damit fiel das Minus zehn Mal so hoch aus wie im Vorjahr. Und ein Ende der Probleme ist nicht in Sicht. Infineon-Chef Peter Bauer erwartet auch für das neue Geschäftsjahr (zum 30. September) rote Zahlen und ein Umsatzminus um 15 Prozent. Eine Trennung vom großen Verlustbringer, dem Speicherchip-Hersteller Qimonda, sei trotz aller Bemühungen ungewiss.

Die Tochter Qimonda, deren Buchwert Infineon inzwischen mit Null beziffert, ist das größte Sorgenkind im Konzern. Im jetzt zu Ende gegangenen Geschäftsjahr musste Infineon drei Mrd. Euro auf den Wert von Qimonda abschreiben. Das restliche Geschäft, das auch nicht gut lief, steuerte im Vergleich dazu nur ein geringes Minus von 135 Mio. Euro bei.

Der Kursrutsch an der Börse wird begleitet von vernichtenden Analystenkommentaren. Reihenweise haben die Banken ihr Urteil für Infineon gesenkt und Anlegern den Verkauf der Titel empfohlen. Die Experten von Sal. Oppenheim bestätigten ihre Einschätzung "reduce" und nannten als fairen Wert 2,00 Euro. Der Ausblick des Chip-Herstellers untermauere seine Einschätzung, dass sich das Geschäft des Unternehmens 2009 im Branchenvergleich unterdurchschnittlich entwickeln werde, schrieb Analyst Jürgen Wagner in einem Kommentar. Aktuelle Befürchtungen von Investoren, dass die verfügbaren Kreditlinien nicht ausreichen werden, würden eine höhere Bewertung in nächster Zeit verhindern.

Wegen des schlechten Ausblicks heißt das Anlageurteil auch bei Cheuvreux unverändert "underperform". Die Royal Bank of Scotland rät dagegen ebenso zum Verkauf wie Jens Hasselmeier von Independent Research, der seine Empfehlung drastisch von "kaufen" auf "verkaufen" senkte und das Kursziel von 2,50 auf 1,10 Euro herabnahm. Hasselmeier rechnet im Geschäftsjahr 2008/09 mit erheblichem Druck auf die Liquiditätssituation des Konzerns. So dürfte der Free Cash Flow weiter leiden vor dem Hintergrund eines negativen Ausblicks für die fortgeführten Geschäftsaktivitäten, der unverändert starken Verluste bei Qimonda, "unkalkulierbarer weiterer Sondereffekte" sowie kurzfristiger Finanzverbindlichkeiten von 207 Mio Euro.

Die Sorgen vor einer Kapitalerhöhung konnte Infineon nicht zerstreuen. Finanzvorstand Marco Schröter sagte, Infineon müsse sich im Sommer 2009 Gedanken über die Refinanzierung von 700 Mio. bis 800 Mio. Euro machen.

Der Commerzbank war das wie den anderen Banken auch zu viel: Sie senkte ihr Anlageurteil für Infineon von "buy" auf "reduce" und halbierte das Kursziel von 3,30 auf 1,50 Euro. Das Risikoprofil habe sich deutlich verschlechtert mit nicht quantifizierbaren Risiken bei Qimonda und dem negativen Einfluss der Infineon-Bilanz, lautet das Fazit der Analysten.

Immerhin: Die Höchststrafe bleibt Infineon erspart. Bei der Index-Entscheidung der Deutschen Börse wackelt der Platz des Chipherstellers nicht. Zwar ist die Marktkapitalisierung von Infineon durch den Sturz unter die Ein-Euro-Marke bedenklich geschrumpft. Ausschlaggebend für die neue Zusammensetzung des Dax sind allerdings nicht die heutigen Kurse, sondern die Schlusskurse am vergangenen Freitag. Und eine Regelung wie in den USA, dass Penny Stocks automatisch aus den Indizes genommen werden, gibt es an der Deutschen Börse nicht.

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