AIG-Reprivatisierung
Amerikanische Regierung will auf der LinkedIn-Welle surfen

Die USA halten mehr als 92 Prozent am Skandalversicherer AIG. Jetzt sollen die Anteile versilbert werden. Investoren scheinen interessiert, doch die Chance auf ein gutes Geschäft hat Finanzminister Geithner wohl vertan.
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New YorkUS-Finanzminister Timothy Geithner klammert sich an einen Strohhalm, einen Strohhalm namens Linkedin. Der erfolgreiche Börsengang des Karrierenetzwerks weckt in der US-Regierung Hoffnungen, dass sie ihr Aktienpaket am Versicherer AIG doch noch zu einem attraktiven Preis losbekommt. Wenn sich die Anleger um neue Aktien reißen, dann kann der Zeitpunkt für einen Anteilsverkauf nicht schlecht sein, kalkuliert Geithner und forciert die Trennung von AIG-Aktien. In den vergangenen zwei Wochen buhlte AIG-Chef Robert Benmosche auf einer weltweiten Roadshow um Investoren. Heute Abend soll nach Informationen des „Wall Street Journal“ der Verkaufspreis für ein erstes Paket von 300 Millionen Aktien bekanntgegeben werden. Dabei kommen 200 Millionen vom Staat und 100 Millionen von AIG direkt.

Aber AIG ist nicht Linkedin. Während das Internet-Unternehmen seine Preisspanne zweimal anhob und der Aktienkurs nach dem Börsendebüt trotzdem um bis zu 150 Prozent explodiert, wird für die AIG-Aktien des US-Staates eine Preisspanne zwischen 29 und 30 Dollar kolportiert. Das ist weder spektakulär noch überraschend – schwankte der AIG Aktienkurs in den letzten Wochen doch zwischen 29 und 31 Dollar. Immerhin würde die Regierung bei diesem Preis aber ihr Minimalziel erreichen und wenigstens 300 Millionen Aktien mit Gewinn unter die Investoren bringen. Unterhalb von 28,70 Dollar macht die Regierung mit einem Aktienverkauf Analystenberechnungen zufolge Verlust.

Mitten in der Finanzkrise, vor rund zweieinhalb Jahren, war die US-Regierung beim ehemals weltgrößten Versicherer AIG eingestiegen. Das war nötig, da sich AIG im Geschäft mit Subprime-Krediten verspekuliert hatte. Mit über 182 Milliarden Dollar Steuergeld rettet der Staat das Unternehmen vor dem Kollaps. 47,5 Milliarden Dollar bezahlte die Regierung für rund 92 Prozent der Anteile, der Rest des Geldes floss als Kredite.

Durch den geplanten Aktienverkauf soll der Anteil des Staates auf 77 Prozent sinken. Die amerikanische Regierung steht wegen des staatlichen Rekorddefizits von mehr als 14 Billionen Dollar mächtig unter Druck, Geld in die Staatskasse zu holen. Fonds aus Singapur und Kuwait sollen schon beim amerikanischen Finanzministerium angeklopft und ihr Interesse an AIG-Aktien bekundet haben. Ein Erfolg des Aktienverkaufs ist realistisch.

Allerdings hat Geithner den optimalen Zeitpunkt wohl verpasst. Im vergangenen Jahr kannte der Aktienkurs des ehemals weltgrößten Versicherers nur eine Richtung: nach oben. Der Grund: Der Verkauf des Tafelsilbers im zweiten Halbjahr 2010 verlief sehr erfolgreich. So konnte das Unternehmen seine beiden Lebensversicherungstöchter in Japan für 4,2 Milliarden Dollar an den britischen Rivalen Prudential verkaufen. Und auch der Börsengang der chinesischen Tochter AIA Ende Oktober 2010 verlief nach Drehbuch. Rund 17,9 Milliarden Dollar konnte AIG durch den IPO erlösen. Geld mit dem das Unternehmen einen Teil seiner Staatsschulden zurückzahlte.

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