Aktie im Fokus
Anleger lassen Siemens fallen

Aussagen von Finanzchef Joe Kaeser haben die Siemens-Aktionäre verstört. Sein Blick in die Zukunft klang gar nicht rosig. Das hörten Anleger nicht gern und ließen die Aktie abstürzen.  Zu Unrecht, meinen Analysten.
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Der Elektrokonzern Siemens muss sich stärker anstrengen, um seine Wachstumsziele zu erreichen. „Der Rückenwind der Krisenerholung ist nun wohl vorbei“, sagte Siemens- Finanzchef Joe Kaeser vor Analysten in Schanghai. Das kam an der Börse gar nicht gut an. „Sollte der Finanzchef Recht behalten, ist das natürlich ein ziemlicher Dämpfer für die Anleger“, sagte ein Börsianer. „Die Aussichten sind damit nicht besonders rosig und das verschreckt Investoren“. Zwar hatte Konzernchef Peter Löscher bereits im Mai angekündigt, dass mit einer Abschwächung des Wachstums zu rechnen sei, doch Anleger reagierten trotzdem verstimmt. Sie schickten die Aktie auf Talfahrt. Mit einem Minus von 3,6 Prozent auf nur noch 89,45 Euro war die Siemens-Aktie Schlusslicht im Dax.

„Diese Reaktion halte ich für übertrieben“, sagt Eerik Budarz von Silvia Quandt Research. „Der heutige Kursrücksetzer ist eine attraktive Einstiegsgelegenheit.“ Erst gestern hatte das Team von Silvia Quandt eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 107 Euro gegeben. Dass sich das Wachstum etwas verlangsamen würde, hatten die Experten erwartet. Kaesers Wortwahl sei typisch vorsichtig gewesen, „grundsätzlich stimmen die Zahlen und die Aussichten bei Siemens“, ergänzt Budarz.

Auch die Unicredit bleibt bei ihrer Kaufempfehlung. Bis auf 115 Euro könnte die Aktie steigen, meinen die Analysten. Die Begründung für den Optimismus: Die Unternehmensprognosen für das dritte Geschäftsquartal zeigten, dass das kurzfristige, zyklische Wachstum intakt sei und dass die Margen im Geschäft mit Kraftwerkstechnik für fossile Energieträger unverändert hoch seien, schrieb Analyst James Stettler in einer aktuellen Studie. Enttäuschend seien allerdings die Prognosen für die Healtcare-Sparte. Positiv überrascht hätten hingegen die optimistischen Konjunkturerwartungen der Vorstände für Indien und China. Das stehe im Kontrast zu den Aussagen von Shanghai Electric. Der deutsche Industriekonzern sei in beiden Ländern gut aufgestellt, so Stettler weiter.

Analysten waren zuletzt recht positiv für die Aktie gestimmt. In den vergangenen vier Wochen empfahlen sie Siemens neun Mal zum Kauf, vier Mal lautete das Urteil „Halten“, zwei Mal „Verkaufen“. Zu den weniger optimistischen Analysten zählt Ingo-Martin Schachel von der Commerzbank. Er hat die Einstufung für Siemens mit Blick auf die Veranstaltung in Schanghai auf „Hold“ belassen. Das Kursziel beträgt unverändert 95 Euro.

Siemens kommt aktuell auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von gut elf, wenn man den erwarteten Gewinn für das laufende Geschäftsjahr zugrunde legt. Der Konzern ist also an der Börse mit dem elffachen seines Jahresgewinns bewertet. Zum Vergleich: Dax-Aktien kommen im Schnitt auf ein KGV von zehn. Die Dividendenrendite liegt bei etwa mehr als 3,5 Prozent. Siemens gehört zu den kontinuierlichen Dividendenzahlern. Auch in den Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise fiel die jährliche Ausschüttung nicht aus. Zuletzt gab es 2,70 Euro pro Anteilsschein. Im kommenden Jahr rechnen Analysten im Schnitt mit einer Überweisung von 3,05 Euro pro Aktie.

Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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