Aktie im Fokus
Anleger verramschen Deutsche Bank-Aktie

Die Aktie der Deutschen Bank ist so billig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Allein seit Mitte September ist der Börsenwert um zwei Drittel geschmolzen. Aus Sicht der Analysten hat die Aktie des deutsche Branchenführers zu Recht an Glanz verloren.

HB FRANKFURT. Die Aktie der Deutschen Bank ist seit Wochen auf rasantem Sinkflug und mittlerweile so günstig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Am Donnerstag rutschte das Papier um zeitweise mehr als elf Prozent auf unter 19 Euro ab. Allein seit Mitte September schmolz der Börsenwert um fast zwei Drittel auf nur noch 13 Mrd. Euro zusammen. Der deutsche Branchenprimus ist damit seit dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers stärker unter die Räder geraten als der eine oder andere internationale Rivale. Hauptgrund ist die Kapitalausstattung des Instituts, die viele Investoren als zu niedrig ansehen. Die Bank schließt eine Erhöhung des Eigenkapitals aber kategorisch aus - sowohl über den Staatstopf als auch über den freien Markt.

Lange Zeit sah es so aus, als ob sich die Deutsche Bank dem allgemeinen Abwärtsstrudel der Finanzwerte in Folge der Krise besser entziehen könnte als die Konkurrenz. Die Abschreibungen fielen geringer aus, rote Zahlen wurden vermieden. Doch mittlerweile steht die Deutsche Bank nach Einschätzung von Analysten nicht mehr so strahlend da. "Mit Ausnahme des niedrigen Kurses gibt es derzeit keinen Grund, warum man Aktien der Bank kaufen sollte", sagt Philipp Hässler, Finanzanalyst vom Wertpapierhandelshaus Equinet. Eine Kapitalerhöhung sei nicht auszuschließen. Zudem blieben das Marktumfeld und damit die Ergebnisentwicklung höchst unsicher. "In den nächsten Wochen sind keine positiven Kurstreiber in Sicht", betont der Analyst.

Viele Experten rechnen erst dann mit einer Erholung, wenn die Deutsche Bank ihr Kapital stärkt. Mit einer Kernkapitalquote von 10,3 Prozent liegt das Institut zwar in Deutschland ganz weit oben, aber im Vergleich zu anderen Investmentbanken eher im unteren Bereich. Als Minimum für Institute mit einem starken Kapitalmarktgeschäft wie die Deutsche Bank wird von vielen Investoren mittlerweile eine Kernkapitalquote von zwölf Prozent angesehen. "Erst wenn die Deutsche Bank dieses Thema angeht, ist die Aktie wieder interessant", schrieben die Analysten von Fox-Pitt Kelton neulich in einer Kurzstudie. Reagiert hat der Vorstand um Bankchef Josef Ackermann bereits auf Forderungen der Anleger nach einem geringeren Verschuldungsgrad. Hier baut die Deutsche Bank nun Risikopositionen ab - allerdings bislang ohne Folgen für den Aktienkurs.

Mit rund 19 Euro kosten die Papiere der Deutschen Bank derzeit so wenig wie seit 1988 nicht mehr. Der Buchwert des Instituts liegt mittlerweile mehr als drei Mal höher. Das könnte theoretisch Übernahmeinteressenten auf den Plan rufen. "Doch wer sollte derzeit eine Bank kaufen wollen", sagt Hässler. Ein feindliches Vorgehen wiederum dürfte einen erheblichen politischen Widerstand provozieren. Völlig ausschließen könne man in diesen Zeiten allerdings nichts, warnt der Analyst.

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