Aktie im Fokus
MLP-Aktie bricht ein

Finanzdienstleister AWD will den Konkurrenten MLP übernehmen - möglicherweise auch gegen dessen Willen. Dem MLP-Aktienkurs tut das gar nicht gut. Analysten warnen sogar vor einer Übernahme: Im schlimmsten Fall könnten sich MLP-Berater zusammentun und ihre eigene Firma gründen.

FRANKFURT. In der deutschen Branche für Finanzberatung bahnt sich eine Mega-Fusion an. Finanzdienstleister AWD will den Konkurrenten MLP übernehmen - möglicherweise auch gegen dessen Willen.

AWD gehört zum Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life. Dieser kauft nun von AWD-Firmengründer Carsten Maschmeyer ein Aktienpaket von insgesamt 26,75 Prozent an MLP, das dieser Medienberichten zufolge kurzfristig aufgekauft haben soll.

Wenig Freude haben heute die MLP-Aktionäre. Ihre Aktien fielen zeitweise um rund zehn Prozent auf 12,42 Euro. "Da ist die Phantasie jetzt raus", sagte ein Händler. Am Vortag hatten MLP-Titel noch 7,6 Prozent gewonnen.

Auch die Mehrheit der Analysten ist skeptisch. Merrill Lynch weist darauf hin, dass der Schlüssel in der Unabhängigkeit liege. Würde der Finanzdienstleister von einem Versicherungskonzern abhängig, könnte dies Kunden und Berater nicht zu vertreiben. Damit scheide Swiss Life als möglicher Käufer aus. Merrill Lynch rät zum "Verkaufen" der Aktie und setzt das Kursziel auf 10,70 Euro.

Die UniCredit hat ihre Einstufung für MLP auf "Halten" belassen und das Kursziel auf 14 Euro. Mögliche Vorteile einer Fusion der Swiss-Life-Tochter AWD mit MLP würden von großen Risiken überschattet. Alles Weitere hänge nun vom MLP-Mitgründer und Großaktionär Manfred Lautenschläger ab, sagt Analyst Bernd Müller-Gerberding. Sollte er seinen Anteil auch an den Schweizer Versicherer verkaufen, sei dieser zu einem Übernahmeangebot an die übrigen Eigner gezwungen.

Doch Lautenschläger zeigt Swiss Life offenbar die kalte Schulter. "Eine Zusammenarbeit zwischen Swiss Life und MLP, die über die bisherige Produktkooperation hinausgeht, würde die Unabhängigkeit und das Geschäftsmodell von MLP nachhaltig gefährden", ließ Lautenschläger über MLP mitteilen. "Deswegen sehe ich keinen Anlass zu einem Dialog mit der Swiss Life über eine Intensivierung der Zusammenarbeit."

Lautenschläger und seine Familie halten mit gut 32 Prozent der MLP-Aktien eine Sperrminorität. "An meiner Entscheidung, meine Beteiligung an MLP nicht zu verkaufen, hat sich nichts geändert und wird sich auch langfristig nichts ändern", teilte Lautenschläger mit. Kooperationsmöglichkeiten mit der Swiss Life-Tochter AWD seien mehrfach geprüft und verworfen worden, da sie keinen Mehrwert für MLP und die Aktionäre brächten. Diese Einschätzung bestehe unverändert.

Die Analysten von Cheuvreux sehen noch ein anderes Problem im Falle einer Übernahme: "Im schlimmsten Fall könnten sich mit dem Einstieg nicht einverstandene MLP-Berater zusammentun und ihre eigene Firma gründen."

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