Aktie im Fokus
Riskante Wette auf Infineon

Die Aktie von Infineon gehört zu den großen Gewinnern der vergangenen Wochen. Vom Allzeittief Anfang März bei 38 Cent ging es wieder hinauf auf über einen Euro. Am Montag schoss sie besonders weit nach oben; der Grund dafür kommt aus der Schweiz.

FRANKFURT. Im gestrigen Handelsverlauf legte die Aktie des angeschlagenen Chipherstellers um zeitweise 24 Prozent auf 1,14 Euro zu. Der Grund: Die Schweizer Großbank UBS empfiehlt die Papiere des angeschlagenen Chipherstellers zum Kauf. Das Kursziel sehen die Eidgenossen bei immerhin 1,40 Euro. Der bekannt gegebene Rückzug Infineons von der New Yorker Börse dagegen drückte die Stimmung der Anleger nicht.

Bis vor kurzem war eine Kaufempfehlung für Infineon-Aktien geradezu undenkbar. Nach der Pleite der Unternehmens-Tochter Qimonda und dem Rauswurf aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) schien der Münchener Chiphersteller bei Anlegern und Analysten endgültig unten durch. Nur eine Frage der Zeit, ehe dem Mutterkonzern wie Qimonda zuvor das Geld ausgehen würde, hieß es auf dem Parkett. Doch seither hat sich die Lage laut UBS zumindest etwas entspannt. Die Finanzierungssituation habe sich verbessert; eine Refinanzierung über neue Bankdarlehen erscheine wahrscheinlich, sagt Nicolas Gaudois von der Schweizer Großbank. Infineon helfe dabei unter anderem seine Rolle als einer der Hauptlieferanten für die Automobilindustrie. Hinzu käme, dass die Münchener weiterhin die Technik für das Apple-iPhone bauen würden.

Mit ihrer Kaufempfehlung steht die UBS allerdings alleine da. Laut Datenanbieter Bloomberg empfehlen fünf von acht Analysten, die das Unternehmen in den letzten vier Wochen unter die Lupe genommen haben, die Aktie zu verkaufen; zwei sagen "halten", nur die UBS rät zu kaufen. Selbst auf Zwölfmonatssicht sind die Schweizer Analysten mit ihrer Meinung allein auf weiter Flur.

Der Aufschwung an der Börse sei fundamental nicht begründet, sondern vielmehr Ergebnis kurzfristiger Spekulationen am Markt, heißt es etwa bei der SEB. Von einer grundsätzlichen Besserung im Halbleitergeschäft will man dort nichts wissen. Das Kursziel taxiert das Geldhaus auf gerade mal 40 Cent, nur knapp oberhalb des Allzeittiefs. Kurioserweise hat die SEB mit ihrer letzten Einschätzung die Beobachtung der Infineon-Aktie eingestellt. "Ein Kauf ist Infineon erst, wenn mehr Gewissheit über die Finanzierung besteht", sagt Günther Hollfelder, Analyst bei Unicredit.

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