Aktie ist im Branchenvergleich günstig bewertet
Analysten trauen Linde weitere Kursgewinne zu

Die Linde-Aktie gehört mit Sicherheit zu den eher unauffälligen Werten im Dax. Dennoch zählt das Papier des Wiesbadener Mischkonzerns zu den Favoriten der Analysten. Und das aus gutem Grund: Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat der Anteilsschein über 35 Prozent an Wert gewonnen. Nur sechs der 30 im Leitindex notierten Standardwerte legten im selben Zeitraum mehr zu.

DÜSSELDORF. „Und das Potenzial des Papiers ist damit noch nicht erschöpft“, sagt Richard Schramm, Finanzexperte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Positiv bewerten die Analysten vor allem die eingeleitete Restrukturierung. So wurde im März der Verkauf der verlustreichen Kältetechniksparte an einem US-Investor bekannt gegeben. Sobald die Behörden der Transaktion letztendlich zustimmen, kann sich Linde damit wieder auf die lukrativen Bereiche Industriegase und Fördertechnik konzentrieren.

Ein weiterer Pluspunkt ist nach Meinung der Finanzexperten der voran getriebene Abbau der hohen Schulden, für die der Konzern in der Vergangenheit stark kritisiert und von Ratingagenturen abgewertet worden war. Allein im vergangenen Jahr hat Linde die Nettofinanzverbindlichkeiten um rund 400 Mill. Euro auf 2,4 Mrd. Euro reduziert. Ursprünglich hatte der Konzern einen Schuldenabbau von 150 Mill. Euro angepeilt. „Linde hat die eigenen Ziele weit übertroffen“, meint Alexandra Hauser von der Landesbank Baden-Württemberg, die die Aktie daher zum Kauf empfiehlt.

Auch dass Linde bei dem Verkauf von Messer Griesheim nicht zum Zuge kam, sei kein Nachteil, meinen die Analysten. Der Industriegasehersteller wurde Anfang Januar für 2,7 Mrd. Euro von dem Branchenprimus Air Liquide übernommen. „Die Finanzierung wäre für Linde äußerst schwierig geworden“, sagt Hauser. Außerdem wären die kartellrechtlichen Auflagen gerade für die Deutschlandaktivitäten bedeutend höher gewesen und hätten sich durchaus als Nachteil erweisen können, meint Eggert Kuls, Branchenexperte beim Bankhaus M.M. Warburg.

Da Linde durch den Zukauf ohnehin vor allem die Auslandsexpansion vorantreiben wollte und dabei insbesondere die USA im Blick hat, könnte der Konzern auch jetzt noch seine Chance bekommen. „Air Liquide muss sich aus kartellrechtlichen Gründen von einigen Konzernteilen in den den USA trennen“, sagt Kuls. „Linde wird sich diese Gelegenheit wohl kaum entgehen lassen“, vermutet Hauser.

Nicht überbewerten sollten Anleger auch die jüngsten Bremsmanöver der chinesischen Regierung. „Für Linde ist China bisher ein relativ kleiner Markt“, sagt Kuls. Große Ergebniseinbrüche erwarten die Analysten daher nicht.

Ein weiterer Grund, der für die Aktie spricht, ist die günstige Bewertung. Linde wird zurzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von zwölf gehandelt. „Im Vergleich zur Branche ist das Papier eher preiswert“, sagt Kuls, der für „kaufen“ plädiert. Bei dem britischen Gasespezialist BOC liegt das KGV bei 14. Die Air-Liquide-Aktie wird sogar mit dem 16-fachen der für das Jahr 2005 erwarteten Gewinne bewertet.

Weiteres Kurspotenzial verspricht auch der noch nicht eingepreiste Verkauf der Kältetechniksparte. Der Markt legt bei Linde noch immer einen Konglomeratsabschlag von gut 20 Prozent an. Dieser wird sich aber spätestens dann, wenn die Behörden dem Verkauf endgültig zustimmen, deutlich verringern und der Aktie neue Luft verschaffen.

Zusätzlich ist die Linde-Aktie auch wegen der Ausschüttungspolitik interessant. Immerhin liegt die Dividenrendite seit Jahrzehnten zwischen zwei und drei Prozent. „Linde gehört damit zu den zuverlässigsten Zahlern im Dax“, sagt Schramm.

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