Aktie mit Kurssprung
Commerzbank – der „Wahnsinn“ geht weiter

Am ersten Tag der Kapitalerhöhung legt die Aktie der Commerzbank – rein rechnerisch – kräftig zu. Doch es scheinen vor allem Zocker zu sein, die sich für das Papier interessieren. Ruhe kehrt noch nicht ein.
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Frankfurt, DüsseldorfEin Bild mit Seltenheitswert: Die Aktie der Commerzbank hat am Mittwoch mehr als zehn Prozent zugelegt. Sie notierte zuletzt bei 7,79 Euro, am Vormittag war sie bis auf 8,18 Euro gestiegen. Dabei wechselten innerhalb der ersten beiden Handelsstunden etwa fünf Mal so viele Commerzbank-Aktien den Besitzer wie an einem ganzen durchschnittlichen Handelstag. Knapp 60 Prozent des Handelsvolumens im Dax entfiel auf die Commerzbank.

„Das ist Wahnsinn. Anders als mit Deckungskäufen ist das nicht zu erklären“, sagte ein Börsianer. Offenbar müssten Anleger, die auf einen weiteren Kursverfall gewettet hatten, wieder bei der Commerzbank einsteigen, um ihre Verluste zu minimieren.

In Finanzkreisen heißt es, die Aktie sei zum Spielball der Spekulanten geworden. Eine Reihe von Hedge-Fonds hätten in den vergangenen Wochen auf fallende Kurse gewettet. Dem Datenanbieter Sun Guard zufolge waren zuletzt zwölf Prozent aller Commerzbank-Papiere verliehen. Spekulativ orientierte Anleger leihen sich Aktien aus, um sie anschließend sofort zu verkaufen. Bei diesem sogenannten „Leerverkauf“ setzt der Verkäufer darauf, dass er die Aktien bis zum Ende der Leihfrist billiger zurückkaufen kann.

Dazu muss man allerdings wissen: Das heutige Kursplus hat auch technische Gründe. Die Aktie war gestern bei 9,31 Euro aus dem Handel gegangen. Mit dem Beginn der Kapitalerhöhung kommen die neuen Aktien hinzu, die die Commerzbank für 4,50 Euro anbietet. Auf je 21 alte Anteilsscheine kommen 20 neue hinzu - die Zahl der Aktien wird also nahezu verdoppelt. Aus „alten“ und „neuen“ Aktien ergibt sich rechnerisch ein Kurs von 6,96 Euro. Davon ausgehend legt die Commerzbank heute mehr als zehn Prozent zu.

Der Wert der Bezugsrechte für neue Aktien wird nicht in den Kurs eingerechnet. Die Bezugsrechte (WKN: CBKBZR) werden ab heute – getrennt von der Aktie – an der Börse gehandelt. Sie notierten bei 3,11 Euro. Altaktionäre haben ab heute neben der Aktie auch die Bezugsrechte im Depot.

Die Aktionäre müssen sich in den nächsten Tagen entscheiden, ob sie bei der Kapitalerhöhung mitziehen wollen. Machen sie mit, müssen sie ihrer Bank mitteilen, dass sie ihr Bezugsrecht ausüben wollen. Entscheiden sie sich dagegen, können sie ihre Bezugsrechte an der Börse verkaufen.

„Auch wenn die Kapitalerhöhung unter hohem Druck erfolgt, dürfte die Transaktion gelingen“, kommentierte Ingo Frommen, Analyst der LBBW. „Dann dürfte nach den erwarteten hohen Aktienkursbewegungen wieder etwas Ruhe in den Titel einkehren.“ Er empfiehlt Anlegern, an der Kapitalerhöhung teilzunehmen und die Bezugsrechte auszuüben.

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Soffin verkauft Aktienpaket

Kommentare zu " Aktie mit Kurssprung: Commerzbank – der „Wahnsinn“ geht weiter"

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  • Gegen Hedge-Fonds ist kein Kraut gewachsen. Hier wird der Kurs professionell gedrückt, um andere zum Verkauf bei niedrigen Kursen zu bewegen. Marktmanipulation im großen Stil. Einfach zugucken!

  • Was diese Commerzbank mit dem pflichtbewußten Steuerzahler treibt, ist schon eine Frechheit !!! 635 Millionen muss der Bürger alleine für den Kauf und Verkauf der Anteilsscheine zahlen !!! Unter dem Motto: Gewinne kapitalisieren und Verluste sozialisieren !!! Da kann sich Herr Blessing mit seinen Vorstandskollegen, nachdem er sich auf Kosten des Steuerzahlers aus den Fängen der Soffin verabschiedet, seine Bezüge im Jahr 2013 ja verdreifachen oder mehr !!!

  • Als Commerzbankaktionärin gehört der "EU Gesetzesrahmen zur Bankenwiederherstellung und Bankenabwicklung" zur Pflichtlektüre die man schnellstens lesen sollte!

    Wenn der mit unvorstellbar viel draghischen Geld zugeschüttete Schwelbrand mit lichterlohen Flammen wieder zum Vorschein kommt und die Derivatewettcasinos darin verbrennen, dann hilft auch keine BISTRO Müllhalde und keine Special Purpose Vehicles für den syntetischen Securization Schrott mehr.

    Die mehr als überfällige Bankenbereinigung lässt sich nicht ewig aufhalten und die draghischen Geldfluten können den Zusammenbruch dieses Fiatgeld Ponzi Schemas nicht mehr lange aufhalten.

    Das weiß auch der Soffin und der Notverkauf trotz immenser Verluste spricht da eine deutliche Sprache über den noch zur Verfügung stehenden Zeithorizont. Schäuble plant nun mal die Schockstrategie nach dem Vorbild der Chicago-Boys auf Europa anzuwenden, um die Zwangsdiktatur und Machtergreifung schnell durchzusetzen.

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