Aktie unter der Lupe
Bei Apple bleiben Analysten skeptisch

Der Computerhersteller gilt als innovativ, liegt jedoch mit seinem Marktanteil weit hinter der Konkurrenz.

HOUSTON. Pünktlich zum Erntedankfest präsentierte sich der Computerhersteller Apple von seiner besten Seite: Der Aktienkurs des US-Konzerns kletterte auf einen neuen Jahreshöchststand, und nach einer Verschnaufpause verlieh eine Heraufstufung von Lehman-Brothers-Analyst Daniel Niles auf „Übergewichten“ dem Aktienkurs Anfang vergangener Woche wieder Rückenwind. „Die Sonderverkaufsaktionen zum Schulbeginn sind sehr gut gelaufen, und das ist ein gutes Zeichen für die anstehende Weihnachtssaison“, begründete Niles seinen Schritt. Er hob sein Kursziel auf 24 $ an – rund 10 % oberhalb der aktuellen Stände von 22 $. Apple-Chef Steve Jobs versprach zudem, in nächster Zukunft weitere Marktanteile in Europa zu gewinnen – beispielsweise über den Bereich der Breitbandanwendungen.

Anders als die meisten Computerhersteller stützt sich Apple-Produkte, die so genannten Macs, nicht auf das Betriebssystem Windows, sondern auf eigene Programme. Mit rund vier Prozent Anteil am US-Computermarkt bleibt die Marke allerdings weit hinter den Windows-Maschinen zurück, die von Firmen wie Dell und Hewlett-Packard hergestellt werden und zusammen mehr als 90 % Marktanteil erreichen. Doch Apple hat Erfolg in Nischenbereichen – etwa bei seinem Online-Musikhandel „I-Tunes“, bei dem sich die Nutzer gegen eine Gebühr einzelne Songs oder ganze Alben herunterladen können. In den ersten vier Monaten seit dem Start im April verkaufte Apple auf diese Weise bereits mehr als zehn Millionen Songs. Bisher funktioniert der Service zwar nur in den USA und ausschließlich auf Apple-Rechnern. Nach Angaben des Konzerns soll aber noch vor Jahresende eine Windows-Version auf den Markt kommen.

Analysten versprechen sich von der wachsenden I-Tunes-Beliebtheit auch positive Auswirkungen für andere Apple-Produkte. „Unmittelbar wird der Musikhandel zwar nur begrenzten Einfluss auf die Bilanz haben“, sagt Analyst Kevin McCarthy von Credit Suisse First Boston (CSFB). „Aber durch I-Tunes werden mehr Nutzer zu Apples tragbarem Musikspieler namens I-Pod kommen. Und langfristig steigen sie vielleicht sogar auf den Mac-Computer um.“ Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz bei Apples tragbaren Musikspielern verglichen mit dem Vorjahreszeitraum bereits um das Fünffache auf 111 Mill. $.

Der Mac-Computer präsentiert sich unterdessen innerlich und äußerlich im neuen Gewand. Seit Kurzem ist die fünfte Generation der so genannten Power-Macs auf dem Markt. Nach Angaben von Apple ist das Gerät namens G5 „der schnellste PC der Welt und der erste mit einem 64-Bit-Prozessor“. Experten gehen davon aus, dass seine technischen Neuerungen den Verkauf kräftig ankurbeln können. Denn viele Apple-Kunden kommen aus Werbeagenturen und der Internetbranche und benötigen für ihre komplexen Anwendungen leistungsstarke Rechner. „In den vergangenen Jahren ist Apple mit seiner Rechnerleistung hinter der Konkurrenz zurückgeblieben, aber von der Leistung des neuen G5 sind wir sehr beeindruckt“, sagt Niles. „Er richtet sich vor allem an die Kreativbranche, die direkt verbunden ist mit den Werbeausgaben. Und die zeigen im Moment wieder Zeichen des Aufschwungs.“ Sein Kollege Richard Chu vom Investmenthaus SG Cowen schätzt, dass die Verkaufszahlen bei den Power-Macs im kommenden Geschäftsjahr um rund zehn Prozent wachsen werden.

Dennoch bleiben einige Experten skeptisch, ob Apple das hohe Tempo auf Dauer halten kann. „Apple hat die Gewohnheit, den Stapellauf neuer Produkte zu vermasseln, und der G5 stützt sich auf einen neuartigen Computerchip“, sagt Kevin McCarthy. „Deshalb geben wir die Warnung aus, dass der Übergang von einem Produkt zum anderen bei Apple üblicherweise nicht ohne Probleme abläuft.“ Sein Urteil lautet „neutral“. Damit liegt er auf einer Linie vielen seiner Kollegen: 14 Analystenbewertungen führt der Finanzdienst Thomson Financial zurzeit auf. Zehn Experten raten dabei zum Halten, drei zum Kauf und eine zum Verkauf der Apple-Aktie.

Weiterer Minuspunkt: Auch im I-Tunes-Geschäft droht Ärger. Gegen Apple zieht der Beatles-Plattenverlag vor Gericht, weil die Computerfirma damit angeblich gegen eine gemeinsamen Vereinbarung verstoßen hat, nicht ins Musikgeschäft einzusteigen. Schon früher hatte es zwischen den beiden Konzernen ähnliche Streitigkeiten gegeben, die allerdings außergerichtlich beigelegt werden konnten. Darauf hoffen Beobachter auch dieses Mal.

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