Aktie unter der Lupe
Cenit-Aktie stößt wieder auf Interesse

Beinahe drei Jahre lang kannte der Kurs des Softwaredienstleisters Cenit nur eine Richtung: abwärts. Das Interesse von Analysten und Investoren an dem 1988 gegründeten und 1998 an die Börse gegangenen Unternehmen war nahezu erloschen. Seit einem halben Jahr steigt der Aktienkurs aber wieder rasant.

FRANKFURT/M. „Uns ist das Unternehmen aufgefallen, weil es sich bilanziell toll entwickelt und sein Risikoprofil sehr verbessert hat,“ antwortet Felix Ellmann, Analyst der Hamburger SES Research auf die Frage, warum er die vergleichsweise gering kapitalisierte und daher schwankungsanfällige Aktie bewertet und seinen Investoren empfiehlt.

Die Cenit-Aktie war im März auf ihr Allzeittief von 1,15 Euro gefallen. Bis Mitte September stieg das Papier um mehr als das Fünffache und erreichte mit 6,20 Euro ein Zweijahreshoch. Das Handelsvolumen im Xetra-System lag im August 2003 mit rund 443 000 Stück fast dreimal so hoch wie ein Jahr zuvor.

Die Analysten - es gibt zwei unabhängige Research-Häuser, die den Wert inzwischen wieder beobachten - empfehlen die Aktie zum Kauf. Als Kursziel nennt Ellmann von SES Research 8,00 Euro. Norbert Kretlow, Analyst bei Independent Research in Frankfurt, sagt: „Sechs Euro sind bei vorsichtiger Einschätzung ein fairer Preis.“ Allerdings sieht er Kurspotenzial bis zu 12,00 Euro.

Was ist der Grund für den Aufstieg der Aktie ? Hubertus Manthey, Vorstand und Gründungsmitglied von Cenit, sagt: „Wir konnten für das zweite Quartal 2003 erstmals seit 1999 positive Zahlen melden. Das haben wir unter anderem deshalb geschafft, weil wir uns auf unser Kerngeschäft besonnen haben.“ Kerngeschäft des 425 Mitarbeiter zählenden Softwaredienstleisters sind das so genannte Product- Lifecycle-Management (PLM) und das Dokumenten-Management (DM). Mit PLM, mit dem Cenit rund 75 % seines Umsatzes erwirtschaftet, können Unternehmen wie Daimler-Chrysler oder Airbus ihre Produkte bis hin zur komplett simulierten Fabrik am Computer entwickeln. Zudem lässt sich die Software jetzt so installieren, dass alle Bereiche (Konstruktion, Finanzen, Fertigung) auch über verschiedene Standorte vernetzt sind. Cenit konzentriert sich auf die Beratung sowie die Anpassung der Software an die Bedürfnisse der Kunden – vorwiegend aus der Automobilindustrie, dem Flugzeug- und Maschinenbau. Als PLM-Systemhaus sei Cenit in Deutschland führend, sagt SES-Analyst Ellmann. Größter Kunde ist BMW.

Die Sparte Dokumentenverwaltung steuert rund ein Viertel zum Umsatz bei. Kunden sind hier vorwiegend Finanzdienstleister.

Die Geschäftsentwicklung von Cenit beschreibt Ellmann als „typisch für ein Kind des Börsen- Hype“. Ein Jahr nach dem Gang an die Börse schrieb das Unternehmen 1999 ein Ergebnis von 5,7 Mill. Euro. 2001 machte es mit 119 Mill. Euro den höchsten Umsatz seiner Firmengeschichte, erwirtschafte aber gleichzeitig den höchsten Verlust (Ebit: -7,8 Mill. Euro). 2002 schloss Cenit die Trennung von Verlust bringenden Geschäften im Ausland ab und strukturierte konsequent um. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wies der IT-Dienstleister einen Umsatz von 30,3 Mill. Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von -0,2 Mill. Euro aus.

Zwar zählen die Kernmärkte des Unternehmens nicht mehr zu den Wachstumssegmenten im Softwarebereich – mit großen Partnern wie SAP, Dassault Systems und File-Net sowie einer Vielzahl renommierter Kunden ist Cenit nach Einschätzung von SES aber gut aufgestellt.

„Für die kommenden Jahre erwarten wir einen deutlichen Ertragsanstieg und nachhaltige Profitabilität,“ sagt Ellmann. Er rechnet für 2003 ebenso wie Kretlow von Independent Research mit einem Ebit von 1,7 Mill. Euro. Für 2004 prognostizieren beide Analysten einen Gewinn von 2,6 Mill. Euro. Vorstand Manthey will diese Prognosen nach den Enttäuschungen der Vergangenheit erfüllen.

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