Aktie unter der Lupe
Handyriese América móvil holt auf

Als das mexikanische Mobilfunkunternehmen América móvil (Amx) Ende April im Bieterkampf um Telecom Italia der spanischen Telefónica unterlag, fürchteten Analysten einen Rückschlag für den größten Handyanbieter Lateinamerikas. Schließlich liefern sich beide seit Jahren einen harten Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt in Süd- und Mittelamerika. Doch das Tief danach war nur von kurzer Dauer.

MEXIKO-STADT. Die Papiere des Unternehmens vom mexikanischen Multimilliardär Carlos Slim fielen nur kurzfristig um drei Prozent, um danach ihr rasantes Wachstum fortzusetzen. In den vergangenen drei Monaten stieg der Aktienkurs an der New Yorker Börse um rund 40 Prozent. Das misslungene Italien-Geschäft habe kaum Auswirkungen auf den Kurs gehabt, sagt Telekomexperte Manuel Jiménez vom Investmenthaus Véctor. „Entscheidend sind die Zahlen und Perspektiven von América móvil – und die sind sehr gut“. Denn das Unternehmen ist in Lateinamerika der Konkurrenz aus Spanien voraus.

Im ersten Quartal konnte América móvil im Jahresvergleich den Umsatz um 28 Prozent auf umgerechnet rund 6,4 Mrd. Dollar steigern und übertraf damit die Prognosen der Analysten. Der Nettogewinn erhöhte sich zwischen Januar und April um 51,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 1,45 Mrd. Dollar. Das Unternehmen gewann mehr als sechs Millionen Kunden hinzu. 564 000 davon stammen von Telecomunicaciones de Puerto Rico, die América móvil übernommen hat. Mittlerweile gehört Amx mit einer Marktkapitalisierung von 105 Milliarden Dollar neben den brasilianischen Riesen Petrobras (Öl) und CVRD (Rohstoff) zu den großen Drei in Lateinamerika.

Die Perspektiven für América móvil sind viel versprechend, denn die Mobiltelefonie ist in Lateinamerika nach wie vor ein riesiger Wachstumsmarkt. Gegenwärtig ist etwas über die Hälfte der Latinos mit einem Handy ausgestattet. Nach Schätzungen von Branchenexperten werden im Jahre 2010 acht von zehn Menschen in der Region ein Handy besitzen, was einem Zuwachs von 100 bis 125 Millionen Kunden entspricht.

Und da zwischen Mexiko und Argentinien von 100 Neukunden 73 zu einem Slim-Handy greifen, wird der Umsatz des Unternehmens fast von alleine wachsen. Gerardo Copca, Direktor von Metanálisis, kalkuliert, dass Ende dieses Jahres 145 Millionen Kunden mit Amx-Telefonen telefonieren, womit das Unternehmen seine Kundenzahl seit der Gründung im September 2000 um 753 Prozent erhöht hätte.

Gegenwärtig telefonieren 131,2 Millionen Menschen in 16 Staaten Lateinamerikas und in den USA mit Mobilgeräten des Slim-Konzerns. Bis auf Venezuela, Bolivien und Costa Rica, wo politische Schwierigkeiten für ausländische Investitionen bestehen, und Panama ist Amx heute in jedem großen Land der Region vertreten. Nach Kunden rücken die Mexikanern den Größten der Branche, China Movil, Vodafone und China Unicom, immer näher.

Seit 2002 hat Amx 23 Mrd. Dollar in die Expansion gesteckt und sich dabei nicht nennenswert verschuldet. „Fast alle Zukäufe konnten aus dem Cash-Flow bezahlt werden“, sagt Véctor-Experte Jiménez.

Nach den Shopping-Touren der vergangenen Jahre will Amx nach Worten von Finanzchef Carlos García-Moreno einen Gang zurückschalten. „Die Phase der großen Zukäufe ist vorerst vorbei.“ Nachdem 2006 der Schritt nach Puerto Rico und in die Dominikanische Republik geglückt ist, steht mittelfristig nur Panama auf dem Kaufzettel von García-Moreno.

Sonst sollen aber vordringlich die Akquisitionen der vergangenen Jahre auf Rentabilität getrimmt werden, was vor allem für die brasilianische Filiale Claro gilt, die in dem wichtigsten Markt für Handys in Südamerika mit 24,6 Mill. Kunden nur der drittgrößte Anbieter ist. Slim und América móvil schmerzt die Niederlage im Ringen um Telecom Italia vor allem deshalb, weil nun Telefónica den Zugriff auf die brasilianische Tochter TIM und ihre 25,4 Millionen Nutzer bekommt. Die Spanier, die bereits den mit 29 Millionen Kunden größten Anbieter Vivo besitzen, haben Amx in Brasilien damit deutlich abgehängt.

Trotz des Rückschlags in Brasilien gehört Amx nach Auffassung aller Analysten auf den Kaufzettel. Grupo Financiero Santander-Serfin und Grupo Financiero IXE trauen dem Papier dieses Jahr noch ein Wachstum von 20 Prozent zu. Das Börsenhaus Véctor sieht América móvil zum Jahresende bei 67 Dollar.

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