Aktie unter der Lupe
Nintendo spielt sich hoch

Der Kurs des japanischen Computerspiele-Unternehmens Nintendo ist seit Jahresanfang um rund die Hälfte gestiegen. Mit 22 470 Yen (rund 150 Euro) steht die Aktie so hoch wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr. Kurstreiber ist der Erfolg der tragbaren Spielekonsole Nintendo DS auf dem Heimatmarkt Japan. Weiteren Schub könnte die Nintendo-Aktie bekommen, wenn im vierten Quartal die neue Fernseh-Spielekonsole Wii auf den Markt kommt.

TOKIO. Analyst Eiji Maeda vom Daiwa Forschungsinstitut ist jedenfalls optimistisch. Ähnlich wie die Experten von Nikko Citigroup, die ihr Kursziel gerade von 21 700 auf 25 200 Yen angehoben haben, hält auch er Kurse von 25 000 Yen je Aktie für vorstellbar. Nintendo habe die tragbare DS für die gesamte Familie positioniert. Selbst Senioren und Frauen könnten sich etwa für das Gedächtnisspiel „Brain Age“ begeistern, lobt Maeda. Während Sony mit der neusten Bildschirm- und IT-Technologie für seine tragbare Konsole PSP vor allem auf junge, männliche Spieler setzt, geht Nintendo soweit, in Japan gerade ein neues Programm für die DS zu bewerben, dass bei der Rezeptesuche für das Kochen zuhause hilft.

Bedenken, Nintendo könnte die traditionelle Spielergruppe aus den Augen verlieren, teilt Maeda nicht. Maeda denkt vielmehr, dass der neue breitere Fokus auf die gesamte Familie auch für die Fernsehkonsole Wii aufgehen könnte. Im jetzigen Aktienkurs seien für die WII Verkaufszahlen wie für das laufende Konsolenmodell, den Gamecube, eingerechnet. Mit diesem habe Nintendo allerdings Marktanteile gegenüber Sony und Microsoft verloren. Knüpfe das Unternehmen dagegen an dessen Vorgängermodell Nintendo 64 an, entstehe Kurspotenzial.

Davon, dass Nintendo die Wii besser positioniert als den Gamecube, ist Spieleanalyst Jay Defibaugh von Credit Suisse überzeugt. Die neue Konsole werde voraussichtlich deutlich günstiger sein als die Produkte der Konkurrenz. Zudem zeige das, was bisher von Wii bekannt sei, dass dieses Mal eine Abgrenzung zu den Konkurrenzprodukten von Sony und Microsoft besser gelinge. Unter anderem wird die Wii eine Art Fernbedienung haben, die über Bewegungssensoren im Spiel als Trommelstock oder Golfschläger ähnlich wie in Spielecentern eingesetzt werden kann.

Viel wird für Nintendo davon abhängen, erst einmal genügend Konsolen zu verkaufen. Wie Wii im Vorweihnachtsgeschäft abschneidet, wird den Aktienkurs kräftig beeinflussen, auch wenn die Hardware selbst kaum Geld einbringt. Mit den Konsolen besetzt Nintendo aber die Märkte für die Software, vor allem für Spiele, die aus dem eigenen Unternehmen kommen. Mittelfristig seien die Spiele der Hauptgewinnmotor, sagt Defibaugh. Mit ihnen schafft es Nintendo auch, seinen Betriebsgewinn in Zeiten kräftig zu steigern, in denen Sony mit seiner neuen Konsole PS3 wegen der hohen Anlaufkosten Verluste schreiben wird. Vor wenigen Wochen hob Nintendo die Prognose für den operativen Gewinn um 14 Prozent auf 125 Mrd. Yen an.

„Die erfolgreiche Software ist es auch, die den Aktienkurs in die Höhe treibt“, sagt Defibaugh. Allerdings ist die Entwicklung aus seiner Sicht bereits zu weit gegangen. Der Credit-Suisse-Analyst sieht die Aktie mit 19 000 Yen fair bewertet – 15 Prozent unter dem jetzigen Kurs. Neben dem Argument, dass viele positive Erwartungen bereits eingepreist sind, fehlt ihm noch der Beweis, dass Nintendo mit der tragbaren Konsole DS auf den Auslandsmärkten USA und Europa an die Erfolge in Japan anknüpfen kann.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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