Analyse
Commerzbank erwartet beschleunigten Preisanstieg nach 2011

Die Commerzbank rechnet aufgrund der Wirtschaftskrise nicht vor 2011 mit Inflation. "Aber danach drohen die Preise zu steigen", schrieb Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer Studie vom Montag.

dpa-afx FRANKFURT. Die Commerzbank rechnet aufgrund der Wirtschaftskrise nicht vor 2011 mit Inflation. "Aber danach drohen die Preise zu steigen", schrieb Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer Studie vom Montag. Zunächst lassen dem Experten zufolge die sprunghaft gestiegenen Guthaben auf den Zentralbankkonten die Verbraucherpreise nicht steigen, nicht einmal die Geldmenge sei betroffen. Denn entscheidend für die Inflation seien zunächst nicht die Guthaben der Banken bei den Zentralbanken, sondern die Guthaben der Unternehmen und Konsumenten bei den Geschäftsbanken. "Verfügen sie über sehr hohe Guthaben, steigt das Risiko, dass zu viel Geld den Gütern und Dienstleistungen nachjagt und deren Preise dadurch kräftig anziehen", so Krämer.

Nun sei aber die Geldmenge M3 zuletzt bei weitem nicht so stark gestiegen wie die Zentralbankguthaben. Die Banken verwenden Krämer zufolge die in großem Stil zugeflossenen Mittel also nur in einem geringen Maße dafür, die Geldmenge zu erhöhen. "Erst das Ende der Rezession wird die Geldmenge steigen lassen", erwartet er. Die "Schockstarre" der Unternehmen und Konsumenten, die sich mit ihren Ausgaben deutlich zurückhalten, dürfte noch bis zum Herbst dieses Jahres anhalten. Allerdings sei dann nicht mit einem klassischen Aufschwung zu rechnen. "Die US-Immobilienpreise dürften noch bis weit in das kommende Jahr hinein fallen und dem Ende der Rezession dürfte 2010 allenfalls eine blutleere konjunkturelle Aufwärtsbewegung folgen." Krämer erwartet einen kräftigen Aufschwung der auch die Arbeitslosigkeit senkt frühestens 2011.

Hyperinflation Unwahrscheinlich

"Dann besteht allerdings die Gefahr, dass die stark erhöhten Guthaben der Geschäftsbanken bei den Zentralbanken zu einer steigenden Geldmenge in den Händen der Unternehmen und Konsumenten führen", so der Experte. Denn im Aufschwung werden in der Regel mehr Kredite nachgefragt und wenn die Banken dann immer noch über sehr hohe Sichteinlagen bei den Zentralbanken verfügen, könnten sie diese auch für Kredite an ihre Kunden verwenden. Zwar könnten die Zentralbanken die Liquidität bei guter Konjunktur wieder entziehen.

"Wir bezweifeln jedoch, dass die Liquidität vollständig wieder eingesammelt wird." Damit dürfte die Geldmenge steigen. Wenn die Wirtschaft dann wieder wächst, steigt die Nachfrage. Dies mündet Krämer zufolge nicht sofort in steigenden Preisen. "Hält der Aufschwung aber länger an, sind die Produktionskapazitäten wieder ordentlich ausgelastet. Steigt dann die Nachfrage führt dies zu Inflation." In den kommenden zehn Jahren dürfte Krämer zufolge die Inflation im Euroraum die Zwei-Prozent-Marke der EZB deutlich überschreiten. Eine Hyperinflation wie 1923 sei allerdings sehr unwahrscheinlich.

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