Analyse
HSBC erwartet 2010 in Deutschland Wirtschaftswachstum von 1,4%

Die deutsche Volkswirtschaft wird nach Einschätzung der Privatbank HSBC Trinkaus im kommenden Jahr wieder wachsen und die Inflation weiterhin gering bleiben.

dpa-afx FRANKFURT. Die deutsche Volkswirtschaft wird nach Einschätzung der Privatbank HSBC Trinkaus im kommenden Jahr wieder wachsen und die Inflation weiterhin gering bleiben. Nach der schlimmsten Rezession seit den 30er Jahren mit einem geschätzten Rückgang der Wirtschaftsleistung um rund fünf Prozent "dürfte die Wachstumsrate im Jahr 2010 bei 1,4 Prozent liegen", sagte Chefvolkswirt Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus am Donnerstag in Frankfurt. Mit Blick auf das Niveau des Jahres 2007 sei die deutsche Wirtschaft aber damit immer noch weit entfernt, auch wenn sie wohl "innerhalb der Eurozone beim Wachstum eine führende Rolle einnehmen" werde.

Das Wachstum für die Eurozone im nächsten Jahr schätzt Schilbe auf 0,7 Prozent. Für die USA liegt seine Prognose bei 2,9 Prozent, was aber noch kein Garant für die Rückkehr zu dauerhaft hohen Wachstumsraten sei. Überkapazitäten und eine schwache Konsumentwicklung dürften vielmehr Inflationsrisiken entgegenwirken und zur Aufrechterhaltung der Nullzinspolitik der US-Notenbank Fed bis 2012 beitragen.

In Deutschland rechnet Schilbe damit, dass das konjunkturelle Wachstum vor allem durch fiskalpolitische Maßnahmen und Exporte angetrieben werden wird. Dabei verwies er unter anderem auf den kräftigen Konjunkturaufschwung im asiatischen Raum in Kombination mit verbesserten Finanzierungsbedingungen. "Es wird dagegen noch einige Zeit dauern, bis der Investitionssektor wieder nachhaltig zum Wachstum beitragen wird und auch der private Konsum wird wegen des Wegfalls der Abwrackprämie und dem weiterhin schwach erwarteteten Arbeitsmarkt hinterherhinken."

Inflation VON 1,3% Erwartet

Mit Blick auf die Inflationsentwicklung rechnet der HSBC Trinkaus-Chefvolkswirt mit einer Geldentwertung von 1,3 Prozent, was in den Augen der Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) jedoch einer Zielverfehlung gleichkäme, da sie eine Inflation "unter, aber nahe bei zwei Prozent" anstrebt. Die Geldpolitik dürfte daher stabil bleiben und auch wenn die EZB das derzeitige geldpolitische Zinsniveau als "Notstandszinsniveau" wahrnehme, rechnet Schilbe erst frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2010 mit einer Leitzinserhöhung um 50 Basispunkte, wobei hier zugleich auch das Euro/Dollar-Niveau im Blick behalten werde müsse. Der Dollar dürfte laut HSBC zum Jahresende 2010 bei 1,50 Euro liegen und könnte diese Marke im dünnen Jahresendgeschäft womöglich auch überschießen. Fair bewertet sei er dagegen allerdings bei 1,21 Euro, so Schilbe.

Überraschend stabil habe sich bislang der Arbeitsmarkt in Deutschland gezeigt. Zwar trage dazu auch die massive Ausweitung der Kurzarbeit und die Konjunkturprogramme bei, dennoch sei die Entwicklung am Arbeitsmarkt damit recht positiv zu bewerten. "Für 2010 erwarten wir daher nun eine Arbeitslosenzahl von unter vier Millionen." Für ganz Europa hingegen sehe die Situation problematischer aus. "Der Arbeitsmarkt bleibt hier das Sorgenkind", sagte der Chefvolkswirt der HSBC Trinkaus.

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