Analysten sehen nur noch wenig Potenzial für die Aktie
Freenet-Rally stimmt Analysten skeptisch

Kursbewegungen von 1000 Prozent haben an der Börse Seltenheitswert. Die Aktie von Freenet hat eine solche Bewegung in weniger als einem Jahr geschafft. Vom Tiefstand bei 3,60 Euro im Oktober 2002 kletterte der Kurs in der Spitze bis auf 52,25 Euro.

DÜSSELDORF. Und nicht nur für die Aktionäre lohnte sich der rasante Anstieg: Aller Voraussicht nach wird die Deutsche Börse die Freenet-Aktie in der kommenden Woche in den Technologie-Index TecDax aufnehmen.

Die Kursrally bei Freenet erklärt sich dadurch, dass das Unternehmen nicht mehr das ist, was es einmal war. Als Internet-Portal von den Anlegern lange Zeit gemieden, wurde Freenet erst wieder interessant, als das Unternehmen das Festnetzgeschäft der Muttergesellschaft Mobilcom kaufte. Durch den Deal, der Freenet ganze 35 Mill. Euro kostete, besitze das Unternehmen ein „vollkommen neues Geschäftsmodell“, sagt Marcus Sander, Analyst der Privatbank Sal. Oppenheim.

Die Zahlen für das zweite Quartal zeigen, was Sander meint: Im Vergleich zur Vorjahresperiode steigerte Freenet den Umsatz um 800 Prozent auf 120,3 Mill. Euro, der Vorsteuergewinn wuchs gar um 1 400 Prozent auf 15,5 Mill. Euro an. Hier zeigt sich der Vorteil der eigenen Festnetzsparte: Freenet kann jetzt sämtlich Erträge aus Internet-Zugängen für sich verbuchen – bisher erhielt das Unternehmen lediglich eine Provision von Mobilcom.

2004 will Freenet-Vorstandschef Eckhard Spoerr 600 Mill. Euro Umsatz und ein Betriebsergebnis von mehr als 75 Mill. Euro erzielen. Analyst Sander ist aber skeptisch: Ab 2004 erwartet er „bestenfalls ein Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich“. Den Kursanstieg der Freenet-Aktie kann Sander nicht nachvollziehen. Die Bewertung sei bei den vorhandenen Risiken, insbesondere durch die derzeit schwache Position im Breitbandgeschäft, nur „schwerlich nachvollziehbar“. Viele Investoren sehen laut Sander in Freenet weiterhin einen „stark wachsenden Internetprovider“, mit dem Festnetzgeschäft gleiche es aber eher einem „klassischem Telekomunternehmen“.

Für ein Telekom-Unternehmen ist Freenet mit einem Kurs- Gewinn-Verhältnis (KGV) über 50 jedoch hoch bewertet. „Der Kurs spiegelt hohe Erwartungen hinsichtlich der effizienteren Nutzung des Festnetzes wider“, urteiltIlona Hasselbring, Analystin der Berenberg-Bank. Sie sieht das Unternehmen aber etwas positiver als Oppenheim-Analyst Sander: „Als Internet-Serviceprovider hat Freenet eine sehr gute Marktposition und profitiert davon, dass immer mehr Kunden das Internet nutzen“, sagt sie. Mit fast 3,8 Mill. Kunden ist Freenet zweitgrößter deutscher Internet-Provider. Seit der Übernahme sei das Unternehmen aber „mehr ein Internet-Telekommunikationsunternehmen“, so Hasselbring. Für das Management sei dies ein neuer Bereich, in dem andere Fähigkeiten gefragt seien. Strategie des Unternehmens sei es, „das Festnetz von Mobilcom durch Investitionen auszubauen, um in der Lage zu sein, günstigere Festnetzverbindungen anzubieten.“ Dass diese Strategie aufgeht, hält die Branchenexpertin für „möglich“.

Bleibt die Frage nach der Eigentümerstruktur: Aktuell besitzt Mobilcom 76 Prozent der Anteile an Freenet. Der ursprünglich geplante Komplettverkauf des Paketes sei durch den Kursanstieg von Freenet unwahrscheinlicher geworden, sagt Sander. Er geht davon aus, „dass Mobilcom ein Paket von 10 bis 15 % abstößt“. Behält er recht, bliebe der Mutter immer noch die Mehrheit an Freenet, zugleich könnte das Unternehmen seine Kredite zurück zahlen. Größter Gewinner der Freenet-Rally wäre damit Mobilcom.

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