Arcelor-Integration belastet zunächst
Mittal-Aktie gilt als ausgereizt

Analysten bewerten die Fusion des britisch-indischen Stahlkonzerns Mittal Steel mit seinem ehemaligen Luxemburger Konkurrenten Arcelor überwiegend positiv. Sie sehen jedoch Kursrisiken durch ein mögliches Abflauen der Stahlkonjunktur und halten den Wert kurzfristig für ausgereizt.

FRANKFURT. Experten nennen für Mittal Kursziele zwischen 27 und 32 Euro. Gestern kostete das Papier an der Vierländerbörse Euronext knapp 25 Euro. Einige Analysten sehen die Aktie langfristig sogar über 50 Euro.

Anders sieht die Lage aus, sollte sich der Stahlpreis halten. Paul McTaggart von HSBC in London erwartet, dass Mittal durch seine Marktmacht, seinen Zugriff auf Eisenerzvorräte, seine weltweiten Vertriebsmöglichkeiten und das breite Angebot verschiedener Stähle dann Vorteile vor der Konkurrenz hat. Analyst Rochus Brauneiser von Kepler Equities erwartet jedoch trotz der langfristig guten Aussichten in den nächsten Monaten keinen Kursanstieg. „Nach so einer Fusion folgt fast immer eine Phase der Enttäuschung“, sagt Brauneiser. Im kommenden Jahr werde die Zusammenführung der Konzerne erst einmal Geld kosten. Die Integration bedeute viel Arbeit für Berater und Anwälte, bringe dem Kurs aber zunächst nichts.

Mit „sehr hohen“ Integrationskosten rechnet auch McTaggart, denn im gerade abflauenden Boom habe Mittal viele Firmenzukäufe nicht richtig konsolidiert, was nun nachzuholen sei – zeitgleich mit der Umsetzung der Fusion und dazu in einem eher schwachen Branchenumfeld.

Mittal arbeitet zurzeit daran, das Arcelor-Papier vom Kurszettel nehmen zu lassen. Bis zum 17. November haben die Arcelor-Aktionäre noch Zeit, ihre Papiere für je 40,40 Euro abzugeben. Zurzeit hält Mittal über 92 Prozent der Aktien, sobald 95 Prozent erreicht sind, ist ein Zwangsausschluss der restlichen Anteilsinhaber möglich. Analysten rechnen damit, dass die Arcelor-Aktie im ersten Quartal 2007 vom Kurszettel gestrichen wird.

Beide Konzerne hatten sich in den vergangenen zwei Quartalen bemüht, möglichst gute Geschäftszahlen vorzulegen: der Angreifer, um finanzkräftig in die Schlacht zu gehen; der Verteidiger, um teuer zu erscheinen. In den kommenden beiden Quartalen seien von den ehemaligen Kontrahenten höchstens moderate Umsatz- und Gewinnsteigerungen zu erwarten, so Brauneiser.

Seite 1:

Mittal-Aktie gilt als ausgereizt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%