Attacke gegen SAP
Aufholjagd verschafft Oracle Oberwasser

Nochmal nachtreten, wenn der Gegner schon zu Boden geht – für diese unfeine Geschäftsstrategie ist Oracle-Chef Larry Ellison bekannt. Bereits in der Vergangenheit hat der 62-Jährige die Geschäfte der Konkurrenz durch gezielte Verbalattacken durcheinander gebracht. Diesmal ging es gegen den deutschen Erzkonkurrenten SAP.

STUTTGART. Nur wenige Tage, nachdem Oracle fantastische Quartalsergebnisse vorgelegt hatten und damit an der Börse davongezogen waren, reichte man beim Amtsgericht San Francisco eine Milliardenklage gegen SAP ein. Der Vorwurf: Eine SAP-Tochterfirma in Texas habe sich mit den Anmeldedaten von Oracle-Kunden in Oracles Datennetz eingewählt und in großem Stil urheberrechtlich geschützte Software gestohlen.

Ob die Anschuldigungen gerechtfertigt sind, muss sich erst noch zeigen – SAP jedenfalls bestreitet dies vehement. „Die Vorwürfe werden nur schwer nachzuweisen sein“, sagt Rechtsanwalt Yar Chaikovsky von der Chicagoer Justizfirma Sonnenschein Nath & Rosenthal der Finanzzeitung Business Week. „Aber sie haben schon jetzt einen Einfluss auf den Markt: nämlich durch negative PR für SAP.“

Davon profitiert Oracle. Die Aktie des Konzerns hat in nur vier Wochen mehr als zwölf Prozent zugelegt, sie notiert mit rund 18,70 Dollar derzeit nur leicht unter der Fünfjahres-Bestmarke. Und Experten rechnen mit weiteren Höhenflügen in den nächsten Monaten: „Oracle ist unsere Top-Kaufempfehlung“ sagt Analystin Heather Bellini von UBS; „die Aktie bleibe „eine der billigsten des Sektors mit einem Aufwärtspotenzial von fünf Dollar zu unserem Kursziel bei 23 Dollar“, erklärt auch Brent Thill von Citigroup. Beim Verhältnis von Kurs und Gewinn erzielt Oracle im Moment einen Wert von 18, während SAP bei 21 und Microsoft bei knapp 19,5 liegen.

Ein jährliches Gewinnplus von 20 Prozent hat Oracle seinen Anlegern versprochen – und diese Zahl jetzt in fünf Quartalen nacheinander erreicht oder übertroffen. Die Zahl der neuen Software-Lizenzen stieg um 27 Prozent auf 1,4 Mrd. Exemplare – eine besonders wichtige Eckzahl für Investoren, weil sie Oracle auch in Zukunft Einnahmen durch Wartungsarbeiten und Upgrades sichert. Im kommenden Vierteljahr könnten Gewinn und Umsatz nochmals steigen: Denn das vierte Geschäftsquartal ist traditionell Oracles umsatzstärkstes, weil das Verkaufspersonal dann möglichst viele Deals abschließt und sich so die Boni zum Jahresende sichern will.

Im soeben beendeten dritten Quartal lagen die Einnahmen um ganze 35 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, obwohl der Umsatz nur um 27 Prozent stieg. Für Analyst Peter Goldmacher von Cowen & Co. ist das ein Zeichen dafür, dass Oracle auf dem Weg ist, sich als der führende Unternehmenssoftware-Anbieter zu etablieren. Bisher hat SAP mit einem Marktanteil von knapp 20 Prozent die Nase vorn – was Oracle mit einem beispiellosen Einkaufszug ändern will. Mehr als 20 Mrd. Dollar steckte man in nur drei Jahren in die Übernahmen von knapp 30 Softwarefirmen, darunter Peoplesoft und Siebel Systems.

Noch im April soll für rund drei Mrd. Dollar Hyperion Solutions dazukommen. „Diese Übernahme ist strategisch sinnvoll“, lobt Tom Ernst von der Deutschen Bank. Auch den Preis von 52 Dollar je Aktie nennt der Analyst attraktiv, da er damit rechnet, „dass Oracle mehr als doppelt so viel Gewinn aus dem Geschäft holt wie Hyperion allein vermocht hat“.

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