Autowerte sind noch billig
Tokios Rally ist mehr als ein Strohfeuer

Japanische Aktien sind wieder gefragt. Nach durchgreifenden Wirtschaftsreformen rechnen Experten mit weiteren Kursgewinnen.

DÜSSELDORF. Die Reformen von Japans Premierminister Junichiro Koizumi haben der Börse deutlichen Auftrieb gegeben. Seit seiner Wiederwahl legten die Titel in Tokio rasant zu. In der vergangenen Woche erreichte der Standardwerteindex Nikkei 225 mehrere Vierjahreshochs. An manchen Tagen schloss er als einziger unter den weltweiten großen Indizes im Plus. Anlageexperten glauben, dass Japanwerte bis zum Jahresende weiter zulegen werden. Mit dem Einstieg sollten Anleger allerdings noch etwas warten, denn kurzfristig rechnen Experten mit einer Korrektur.

Fast fünfzehn Jahre lang waren japanische Aktien ein Verlustgeschäft. Die Kurse bewegten sich – von kurzen Erholungsphasen abgesehen – nach unten. Auch deswegen ist der Schwung der jetzigen Rally beachtlich. Seit Jahresanfang hat der Nikkei 225 fast 15 Prozent gewonnen, der MSCI World Index, der die weltweite Entwicklung der Aktien widerspiegelt, stieg dagegen gerade mal um 3,5 Prozent.

Dabei starteten japanische Werte erst im August so richtig durch. Als sich abzeichnete, dass Premier Koizumi wiedergewählt würde, floss vor allem ausländisches Kapital nach Tokio. „Erst gaben die Strategen positive Kommentare ab, dann legten die Institutionellen ihr Geld dort an. Sie stürzen sich auf den Markt, weil sie kaum noch Alternativen haben“, sagt Fondsmanager Christophe Gay, der mit seinem „Sirius Japan Opportunities“ im Vergleich zur Spitze gehört (siehe Tabelle nächste Seite).

Doch die Erfolgsstory Japans läuft schon länger. Schon Koizumis Vorgänger hatte Reformen eingeleitet – der amtierende Premierminister schaffte es, sie auch durchzusetzen. Mit seinem Wirtschaftsminister Heizo Takenaka zwang Koizumi die Banken, ihre Vermögensposten – wie Immobilien oder Beteiligungen – realistisch zu bewerten. Die Finanzkonzerne trennten sich von Verlustposten und schwankungsanfälligen Positionen.

Nun ist der alte Filz praktisch abgeschafft, das Kapital verschwindet jetzt nicht mehr in parteifreundlichen Firmen, sondern geht dorthin, wo es die beste Rendite bringt. „Koizumi hat scharf durchgegriffen und die Macht der alten Seilschaften gebrochen. Das ist bisher seine größte Leistung“, sagt Fondsmanagerin Lillian Haag, die den Japan-Fonds der DWS verwaltet.

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