Blackberry-Hersteller
Konkurrenz macht RIM zu Übernahmekandidat

Vor noch gar nicht langer Zeit galt das Smartphone Blackberry als Statussymbol der Geschäftsleute und als Vorreiter der neuen Handygeneration. Doch diese Zeiten sind längst vorbei und bringen RIM in arge Bedrängnis.
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Dortmund Als Barack Obama vor zweieinhalb Jahren US-Präsident wurde, bekam das Blackberry-Smartphone seines Vertrauens noch einmal einen unbezahlbaren Werbeschub. Doch die Zeiten haben sich geändert: Inzwischen trägt der Präsident lieber Apples Tablet-Computer iPad spazieren, und die Aktie des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) ist in den vergangenen sechs Monaten um etwa 60 Prozent abgestürzt. Die Experten sind skeptisch, ob sich RIM auf absehbare Zeit wieder erholen kann – denn das kanadische Unternehmen hat mit gravierenden Problemen zu kämpfen.

Ein großer Teil der Schwierigkeiten bei RIM sei hausgemacht, heißt es. Für Aufsehen am Markt sorgt derzeit ein im Internet veröffentlichter anonymer Brief, der offenbar von einem hochrangigen RIM-Mitarbeiter stammt. Er kritisiert die Arbeitsmoral innerhalb des Unternehmens und wirft der Chefetage vor, sich zu wenig an den Kunden und zu stark an den Telefongesellschaften zu orientieren. Auf Kritik stößt auch das ungewöhnliche Chefmodell: Jim Balsillie und Mike Lazaridis teilen sich sowohl die Rolle des Vorstandsvorsitzenden als auch die des Verwaltungsratschefs. RIM hat eine Überprüfung des Modells angekündigt. Doch niemand erwartet eine schnelle Lösung: „Sieht so aus, als ob RIM mit dem Problem genauso umgeht wie mit anderen: in Zeitlupe“, sagt Analyst Edward Snyder vom Berater Charter Equity.

Nachholbedarf besteht auch in Sachen Nutzerfreundlichkeit der RIM-Geräte. Die unterschiedlichen Bedienungsmöglichkeiten der Blackberry-Modelle machen Kunden wie externen Software-Entwicklern das Leben schwer. „Bei RIM gibt es Berührungsbildschirme, kleine Bedienungsrädchen, Tastaturen und spezielle Schnelltasten“, sagt Brian Hurley von der Firma Purple Forge, die sich auf die Entwicklung von Mini-Softwareprogrammen, sogenannten Apps, spezialisiert hat. „Für Programmierer ist es daher schwierig und teuer, Apps zu entwickeln, die auf sämtlichen Modellen laufen. Apple punktet dadurch, dass es nur einen Bedienungsbildschirm und einen einzigen Knopf gibt.“

Das bestätigt die Statistik: Etwa 425000 Apps sind derzeit für Apples Computer und Handys auf dem Markt, für Googles Android-Geräte gibt es 200000 Apps – weit abgeschlagen mit 35000 Apps liegt der Blackberry. Doch es gibt auch Lichtblicke: In vielen Schwellenländern läuft der Absatz hervorragend. Die Handys hätten dort „eine ähnliche Kultgefolgschaft wie Apple in den USA. Und das Wachstum dort geht durch die Decke“, sagte Analyst Kevin Smithen von der Macquarie Group der Agentur Bloomberg. Die Smartphones aus Kanada könnten die technischen Beschränkungen in den Mobilfunknetzen vieler asiatischer und afrikanischer Länder besser verkraften. Auch deshalb liege der Marktanteil von RIM etwa in Indonesien bei mehr als 50 Prozent, weltweit sind es nur 13 Prozent.

Insgesamt sind die Aussichten für die RIM-Aktie dennoch ernüchternd. Nur 15 von 54 Banken raten zum Kauf, vor drei Monaten waren es noch 26. Seit dem Allzeithoch vor drei Jahren, als RIM etwa 83 Milliarden Dollar wert war, hat der Kurs um 80 Prozent verloren. John Jackson vom Branchenberater CCS Insight schließt nicht aus, dass RIM in absehbarer Zeit durch einen Konkurrenten übernommen wird – wenn sich ein Käufer findet.


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