BMW lässt sich Ruf am Bondmarkt gut bezahlen
Neue Anleihe ist trotz niedriger Rendite sehr gefragt

Wirklich verlockend ist die neue Anleihe des Automobilkonzerns BMW nicht: Für eine Anleihe mit der in Deutschland noch recht ungewöhnlich langen Laufzeit von 15 Jahren bot der Konzern bei der Emission in der vergangenen Woche gerade mal eine Rendite von 5,08 Prozent. Dennoch fand der Bond reißenden Absatz.

FRANKFURT/M. Die Auftragsbücher der Konsortialbanken Deutsche Bank, Dresdner Kleinwort Wasserstein, HSBC und Hypo-Vereinsbank füllten sich rasant, und als die Bücher nach wenigen Stunden geschlossen wurden, war das Papier mit einem Volumen von 750 Mill. Euro gut dreifach überzeichnet.

Für die Anleihe spricht nach einhelliger Expertenmeinung, dass BMW als „sicherer Hafen“ unter den Autoanleihen gilt. Die Kreditqualität des Konzerns ist gut; die Bonität wird von Moody’s mit dem fünftbesten Rating A1 bewertet. Dieses gute Rating hat unter den Autobauern nur Volkswagen. Aber bei BMW ist die Bonitätsnote seit der Ersteinstufung vor gut neun Jahren nie verändert worden, und das ist ungewöhnlich. Von Standard & Poor’s hat BMW kein Langfrist-, aber ein sehr gutes Rating für kurzfristige Verbindlichkeiten, das ebenfalls noch nie geändert wurde.

„Die Ertragslage von BMW ist stabil und wird sich durch die neuen Automodelle voraussichtlich noch verbessern“, sagt Axel Potthof, Fondsmanager beim Vermögensverwalter DIT. Außerdem ließen sich mit Autos der Luxusklasse höhere Margen erzielen als mit anderen Automobilen. Als ein weiteres Argument für die Anleihe gilt gemeinhin auch, dass BMW im Vergleich zu den großen Automobilherstellern wie Ford, General Motors und Daimler-Chrysler nur relativ wenige Anleihen ausstehen hat. Und mit einer Laufzeit von 15 Jahren gibt es im gesamten Automobilsektor in Euro denominiert nur eine Anleihe von VW. „Durch die neue BMW-Anleihe erweitert sich das Anleihe-Universum“, sagt Erik Rüttinger, Fondsmanager bei Union Investment.

Positiv sieht Rüttinger auch das Interesse von Versicherern und die insgesamt hohe Überzeichnung der Anleihe, wenngleich das kurzfristige Potenzial auf Grund des geringen Renditeaufschlags bei der Emission eher begrenzt sei. Seit der Emission ist die Rendite der Anleihe auf 4,96 Prozent gesunken (siehe Tabelle). „Auf der anderen Seite ist die Tatsache, dass viele Privatanleger die Anleihe gezeichnet haben, gut für die Stabilität“, sagt Rüttinger. Privatanleger halten Anleihen meist bis zum Ende der Laufzeit.

Bernhard Jeggle, Analyst für Autoanleihen bei der Landesbank Baden- Württemberg, hält BMW-Bonds allgemein für ein Basis-Investment im Autobereich. Er fürchtet allerdings, dass Investoren, die auf Kursgewinne der 15-jährigen Anleihe setzen auf Sicht von zwölf Monaten ein Verlustgeschäft machen werden: „Wenn die Renditen der Staatsanleihen um 0,75 Prozentpunkte steigen, wovon wir ausgehen, wird der Kurs der BWM-Anleihe bei einem weitgehend stabilen Risikoaufschlag sinken“, sagt Jeggle.

Derzeit liegt der Risikoaufschlag (Spread) des neuen BMW-Bonds bei knapp 0,70 Prozentpunkten über der 2016 fälligen Bundesanleihe. „Wenn die Rendite dieser Bundesanleihe innerhalb der nächsten zwölf Monate von derzeit rund 4,30 auf 5,05 Prozent und damit um 0,75 Prozentpunkte anzieht und die BMW- Anleihe unverändert rentiert, dann würde BMW weniger Rendite als die Bundesanleihe bringen“, sagt Jeggle. Das sei aber extrem unwahrscheinlich. Um den aktuellen Spread in etwa zu halten müsste die Rendite der BMW-Anleihe um 0,75 Prozentpunkte steigen und ihr Kurs entsprechend um rund 7,5 Prozent fallen, meint Jeggle. Damit wäre der Gesamtertrag des BMW-Bonds – Kursveränderungen und Zinserträge zusammengenommen – auf Zwölfmonatssicht negativ: Denn nominal wird die BMW-Anleihe nur mit fünf Prozent verzinst.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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