Börsengang
Air Berlin nach Preissenkung gefragt

Der Billigflieger Air Berlin kann nach der Senkung der Preisspanne für seine Aktien im zweiten Anlauf doch noch auf ausreichend Nachfrage für seinen geplanten Börsengang hoffen.

HB FRANKFURT. „Die Emission ist mittlerweile überzeichnet“, sagte ein mit dem Vorgang Vertrauter der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. „Institutionelle Anleger aus dem In- und Ausland kommen mit großen Aufträgen rein.“ Im vorbörslichen Handel, der ein Indikator für die Attraktivität eines Börsenkandidaten ist, wurden die Titel zu Wochenbeginn im oberen Bereich der auf 11,50 bis 14,50 Euro gesenkten Preisspanne taxiert.

Ursprünglich sollten die Papiere 15 bis 17,50 Euro kosten.

Um eine Emission sicher am Kapitalmarkt unterzubringen, ist in der Regel mindestens eine 1,5fache Überzeichnung nötig. Ein Air-Berlin-Sprecher wollte sich zum aktuellen Stand der Nachfrage nicht äußern.

„Der Druck ist aus der Aktie raus“, sagte Händler Stefan Chmielewski vom auf vorbörslichen Handel spezialisierten Brokerhaus Lang & Schwarz. Am Freitag hatten die Kurse noch zwischen 12,70 und 13,90 Euro gelegen. "Die Emission sollte jetzt durchgehen", vermutete Chmielewski gegenüber Handelsblatt.com. Zwischen 13,70 Euro und 14,00 Euro bestehe nun reges Interesse an dem Papier.

Auf Druck von Investoren hatte Air Berlin vergangene Woche beschlossen, weniger Aktien auszugeben und diese billiger und länger anzubieten. Die Zeichnungsfrist wurde auf Mittwoch verlängert und die Erstnotiz im Prime Standard der Frankfurter Börse auf Donnerstag verschoben.

Mit bis zu 42,5 Millionen Aktien beträgt das Emissionsvolumen noch maximal 616 Millionen Euro statt der ursprünglich geplanten bis zu 870 Millionen Euro. Dem Unternehmen würden statt bis zu 400 Millionen Euro nun gut 280 Millionen Euro aus dem Börsengang zufließen.

Mit den Zugeständnissen hat das Unternehmen auf massive Kritik am Kapitalmarkt reagiert. Investoren hatten wegen hoher Risiken wie steigende Treibstoffpreise auf einen Preisnachlass gedrängt.Potenzial für Kurssteigerungen sehen viele Experten bei einer Zuteilung um die zwölf Euro. „Die neue Preisspanne ist jetzt sehr günstig“, sagte Analyst Uwe Weinreich von der Münchner Bank HVB. „Schade ist allerdings, dass dem Unternehmen selbst nun weniger Kapital zufließt, das für die weitere Expansion sicherlich gut zu gebrauchen gewesen wäre.“

„Die Aktie bleibt interessant“, sagte Pia Hellbach von Union Investment. „Ein niedrigerer Kaufpreis macht sie attraktiver.“ Auch Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler hält nach dem Abschlag einen Erfolg der Emission für wahrscheinlich. Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel betonte gegenüber dem „Tagesspiegel: „Es gibt keinen Zweifel mehr, dass das jetzt läuft.“

Zuletzt hatten auch andere größere Börsenkandidaten wie die Baumarktkette Praktiker oder die Postbank sich dem Druck von Anlegern beugen müssen und ihre Papiere günstiger abgegeben. Beide Aktien haben seither deutlich an Wert gewonnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%