Börsengang
BoCom startet furios

Die bereits an der Hongkonger Börse gelistete chinesische Bank of Communications (BoCom) ist seit dem gestrigen Dienstag auch an der chinesischen Festlandbörse Schanghai gestartet. Am ersten Handelstag legte der Kurs der fünftgrößten Bank Chines gleich kräftig zu. Doch Experten warnen vor verfrühter Euphorie.

PEKING. Die nach den Vermögenswerten fünftgrößte Bank der Volksrepublik hatte ihr Zweitlisting, das ursprünglich für Juli vorgesehen war, wegen des Börsenbooms an Chinas Finanzmärkten vorgezogen. Am ersten Handelstag passte sich der neue Handelswert dem Trend der vergangenen Wochen an: Der BoCom-Kurs verdoppelte sich in Schanghai in den ersten Stunden auf 15 Yuan, lag später noch mit 71 Prozent im Plus. Die Aktie wurde damit in Schanghai mit einem Aufschlag von rund zwei Drittel gegenüber der Notiz in Hongkong gehandelt. Das Papier stemmte sich zudem gegen den schwächeren Börsentrend. Der CSI-300-Index fiel gestern um 3,5 Prozent auf 3 604,64 Punkte.

Analysten warnen schon seit Monaten angesichts der Aktieneuphorie, dass es zu einer deutlichen Kurskorrektur kommen könnte. Auch die extrem hohe Bewertung der BoCom-Aktie sei nicht wirklich von den Firmendaten getragen, sagte Dominic Chan, Analyst von CLSA in Hongkong. „Die Nachfrage ist durch die enorme Menge an Liquidität und die vielen neuen Anleger, die an die Börse drängen, hochgeschraubt worden.“ Vor dem Börsengang hatte BoCom Zeichnungsaufträge im sagenhaften Wert von 188,2 Mrd. Dollar bekommen, wurde in Chinas Medien berichtet. Das ist mehr als die Marktkapitalisierung von JP Morgan. In China werden täglich rund 300 000 neue Aktiendepots eröffnet; die Gesamtzahl dürfte spätestens im Juni die Marke von 100 Millionen Konten erreichen.

Die BoCom erzielte mit ihrem Börsengang in Schanghai umgerechnet rund 3,3 Mrd Dollar. Insgesamt wurden 3,19 Mrd. auf den chinesischen Yuan denominierte A-Aktien zum Wert von 7,90 Yuan ausgegeben. Auch die Aktie der chinesischen Citic-Bank, die Ende April an die Börse von Schanghai gegangen war, hatte sich am ersten Tag an der Festlandbörse im Wert verdoppelt.

Chinas Regierung versucht inzwischen, mit verschiedenen Maßnahmen das Aktienfieber abzukühlen. Im April haben nach Angaben der Zentralbank chinesische Haushalte allein rund 168 Mrd. Yuan (17 Mrd Euro) von Sparkonten in Aktiendepots umgeschichtet. Sparkonten bringen in China unter der aktuellen Inflationsrate eine schlechte Verzinsung. Die Bürger sparen aber sehr viel Geld, da es so gut wie keine soziale Absicherung gibt. Nach Schätzungen von Experten liegen zwischen 1,7 und 3,4 Bill. Euro auf der hohen Kante – zum Teil unter dem Kopfkissen, da es an attraktiven Anlagemöglichkeiten fehlt.

Um den Anlegern mehr Alternativen zu bieten, hat die Bankenaufsicht angekündigt, erstmals Kreditinstituten vom Festland zu erlauben, an der Börse Hongkong und an anderen ausländischen Märkten zu investieren. Allerdings ist auch dieses Kapital stark beschränkt. Allein die Aussicht auf mehr China-Kapital hat aber den Leitindex in Hongkong auf einen Rekord von fast 21 000 Punkten getrieben.

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