Börsengang in Frankfurt
Vapiano trommelt laut und startet durchwachsen

Für Vapiano-Chef Jochen Halfmann war es ein „historischer Tag“, doch die Aktie der Restaurantkette legt einen durchwachsenen Börsenstart hin. Zudem fehlte am Morgen ein wichtiges Dokument auf der Firmenwebseite.
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FrankfurtWer bei Vapiano Pizza oder Pasta bestellen will, findet das Angebot stapelweise in jedem Restaurant. Die Speisekarten mit Zutaten und Preisen liegen an jedem Bestellschalter. Wer sich dagegen für ein Stück von Vapiano selbst interessierte, fand am Dienstagmorgen gegen 9.30 Uhr auf der unternehmenseigenen Internetseite: nichts. Ausgerechnet am Morgen des Börsengangs war der Wertpapierprospekt der Aktie dort zwischenzeitlich unauffindbar.

Kurz nachdem das Handelsblatt bei Vapiano nachgefragt hatte, erschien der Prospekt wieder auf der Webseite, wie Screenshots belegen. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage nicht öffentlich zu der Panne äußern. Bei der Finanzaufsichtsbehörde Bafin war der Prospekt dagegen durchgehend abrufbar.

Auch abseits der kapitalmarktrechtlichen Feinheiten verlief der Börsenstart der Restaurant-Kette eher durchwachsen. Mit 23 Euro lag der Einstandspreis eher am unteren Ende der Angebotsspanne von 21 bis 27 Euro. Zunächst stieg der Aktienkurs auf 23,95 Euro, stürzte dann deutlich darunter und pendelte sich im Verlauf des Nachmittags auf den Ausgabepreis ein.

Dabei hatten sich die Angestellten von Vapiano bei Einstand an der Frankfurter Börse alle Mühe gegeben, den Aktienkurs akustisch nach oben zu treiben: Mit Kochlöffeln trommelten sie rhythmisch auf große Woks, in denen normalerweise in den Restaurants Speisen zubereitet werden. Zudem war der Handelssaal mit Olivenbäumen und Tassen in Vapiano-Rot geschmückt. „Das ist für uns ein historischer Tag“, sagte Vorstandschef Jochen Halfmann der Nachrichtenagentur Reuters. „Vielleicht öffnen wir die Türen für andere Börsengänge aus dem Gastronomie-Sektor.“

Insgesamt hat Vapiano 184 Millionen Euro durch den Börsengang eingesammelt. Dem Unternehmen selbst fließen 85 Millionen Euro zu. Mit zehn Millionen will Halfmann ein Gesellschafterdarlehen tilgen, der Rest geht in den Ausbau des Filialnetzes. „Das Geld reicht, um bis 2020 wie geplant auf 330 Restaurants zu kommen“, sagte Halfmann. Derzeit betreibt die Pizza- und Pastakette 185 Restaurants in 31 Ländern. Knapp die Hälfte davon sind noch Franchise-Filialen.

Doch Vapiano verabschiedet sich immer mehr von der Franchise-Strategie: In den vergangen zwei Jahren hat Vapiano eine Reihe Franchise-Filialen selbst übernommen und so den Umsatz der Vapiano-Gruppe im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent gesteigert. Die Erlöse aller 185 Vapiano-Restaurants sind mit knapp sieben Prozent jedoch weit weniger stark gewachsen.

Hinzu kommt: In den vergangenen zwei Jahren hat die Profitabilität der Restaurantkette erheblich gelitten: 2016 wies Vapiano nur noch einen Mini-Gewinn von 0,3 Millionen Euro aus. 2014 hatte der Gewinn noch bei 6,9 Millionen Euro gelegen. Besonders in Deutschland hatte Vapiano zuletzt Probleme: Nach Berichten über Frischemängel und Manipulationen bei Arbeitszeiten der Beschäftigten im Jahr 2015 stieg der Umsatz zwar leicht. Doch der Vorsteuergewinn im wichtigsten Markt der Restaurantkette brach im vergangenen Jahr um 20 Prozent ein.

Kein Wunder also, dass Investoren eher zurückhaltend zugriffen, obwohl die Ausgabe der Aktien laut Reuters vierfach überzeichnet war. Der Börsengang war von Anlegern auch deshalb mit Interesse beobachtet worden, weil am Freitag ein weiteres Unternehmen aus der Branche an die Börse will: Der Essens-Lieferdienst Delivery Hero, unter dem die Marken Lieferheld, Foodora und Pizza.de gebündelt sind. Laut Reuters sollen die Aktien in der oberen Hälfte der Preisspanne zugeteilt werden, also zwischen 23,75 und 25,50 Euro. Damit sind den Delivery-Hero-Anteilseignern und Altaktionären um den Start-up-Investor Rocket Internet Einnahmen von mindestens 927 Millionen Euro sicher.

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